Milan: bittere erkenntnisse und ein neubeginn unter neuer führung?

Mailand – Die Rossoneri stehen vor einer existenziellen Frage: Wie soll das Team wieder zu alter Stärke finden? Alessandro Costacurta, eine Legende des Vereins, äußerte sich nun in einem Interview und zeichnete ein düsteres Bild der aktuellen Lage, während er gleichzeitig Hoffnung auf eine baldige Wende machte.

Die seele des teams ist verschwunden

Costacurta, der den Mailänder Verein über zwei Jahrzehnte hinweg prägte und dabei 23 Titel gewann, spricht offen über den Abstieg des Teams. „Milan hatte einst mehr Titel als Spieljahre – eine Zeit, in der der Verein für Dominanz in Italien und Europa stand. Heute reicht es kaum, aus der Serie A herauszukommen.“ Eine erschütternde Feststellung, die die Enttäuschung der Fans widerspiegelt.

Die jüngsten Ergebnisse, so Costacurta, sind kein Zufall. „Ein oder zwei verlorene Spiele können passieren, aber zehn sind ein Zeichen von Problemen. Gerade die Heimniederlagen, wenn ein Ziel in Reichweite war, zeigten ein tief liegendes Problem zwischen Mannschaft und Trainer.“ Er betont die Verantwortung der Spieler: „Sie sind immer die ersten Verantwortlichen. Es hat sich ein Haufen guter Jungs entwickelt, aber ihnen fehlt die Persönlichkeit, um um große Ziele zu kämpfen.“

Auch die Frage nach der Rolle des Trainers wurde angesprochen. Costacurta verweist auf die Worte von Carlo Ancelotti: „Ein Trainer kann viel bewirken, aber am Ende müssen die Spieler auf dem Platz liefern.“ Er fordert „Calciatori“ – Spieler mit Charakter und Leidenschaft, wie Rabiot und Modric, die über das reine Können hinausgehen.

Ein Vakuum im Defensivbereich? Costacurta kritisiert zudem das Fehlen von Führungsqualitäten. „Es gibt Situationen, die den Charakter eines Menschen zeigen. Maignan, der Kapitän, brachte seine Mitspieler oft zu spät ins Spiel – entweder absichtlich oder unabsichtlich. Das ist unverantwortlich und demotiviert das Team.“

Die suche nach einem neuen trainer und einer neuen identität

Die suche nach einem neuen trainer und einer neuen identität

Nach gescheiterten Versuchen mit ausländischen Trainern wünscht sich Costacurta nun einen Coach, der „endlich Disziplin in die Mannschaft bringt, Enthusiasmus weckt, für Laufbereitschaft sorgt und eine Identität wiederherstellt.“ Er plädiert für die Verpflichtung von zwei jungen, motivierten Spielern im Alter von 23 oder 24 Jahren, die frischen Wind in das Team bringen.

„Ich möchte eine Mannschaft sehen, die den Gegner an sich heranführt, ihn zum Fehler zwingt – anstatt selbst nur darauf zu warten, dass er Fehler macht. Und am Ende, wenn man ein Tor kassiert, zumindest noch Spaß dabei gehabt zu haben.“

Um die Lücke zu den Top-Teams zu schließen, braucht es laut Costacurta „ein paar Spieler, die nachlegen, einen Trainer mit einer klaren Linie und einen sportlichen Direktor mit einer definierten Strategie.“ Er zeigt sich jedoch optimistisch, wie sein Freund Sandro Nesta, und glaubt, dass es möglich ist, wieder in die Champions League einzuziehen. Ein Aufstieg zum erneuten Gewinn der italienischen Meisterschaft oder des Champions League-Titels erscheint ihm jedoch noch in weiter Ferne.

Leaos Abschied: Chance oder Verlust? Costacurta hält Leaos Wunsch nach einer neuen Herausforderung für keinen großen Verlust. „Er war nie ein Leader, sondern ein guter Spieler mit gelegentlichen Glanzmomenten. Wenn er geht, verliert man keinen Kaká oder Shevchenko.“ Er betont, dass Leao erst in einem passenden Umfeld sein volles Potenzial entfalten könnte.

Anstatt auf teure Neuzugänge setzt Costacurta auf die Förderung vorhandener Talente und die Verpflichtung eines starken Stürmers. Entscheidend ist jedoch, dass „man am Henkelmann beginnt – also Trainer und sportlichem Direktor.“ Nur so kann der Milan wieder erfolgreich werden.