Mifsud: maltas hoffnungsschimmer im giro d'italia

Ein Debüt bei einer Grand Tour ist immer ein Balanceakt zwischen Nervosität und Stolz. Für Andrea Mifsud, der aus einem Land kommt, in dem der Radsport kaum eine professionelle Tradition hat, ist es eine noch größere Leistung. Der Fahrer des Team Polti VisitMalta, der in Cannes geboren wurde, aber seit 2024 Malta repräsentiert, nimmt an der wichtigsten Etappe seines Lebens teil, mit einer Mission, die weit über sportliche Ergebnisse hinausgeht.

Ein triumph für malta und den radsport

Ein triumph für malta und den radsport

„Es ist eine Ehre“, fasst Mifsud gegenüber MARCA zusammen, als er nach der Bedeutung seiner ersten Teilnahme gefragt wird. Seine Augen verraten mehr als Worte. Er spricht über den Giro, als würde er ihn gerade erst begreifen, als wäre er noch nicht ganz sicher, dass er wirklich hier ist. Für einen maltesischen Radfahrer ist die Teilnahme an einer Grand Tour alles andere als selbstverständlich.

Mifsud ist sich bewusst, dass er eine Vorbildfunktion einnimmt. „Ich werde versuchen, einige Ausreißer zu fahren und meine Karten für einen Etappensieg auszuspielen“, erklärt er. Er scheut sich nicht vor ehrgeizigen Zielen. Im Giro, wo Chancen oft abseits des Hauptfeldes lauern, in den chaotischen Ausreißergruppen, will er seine Chance ergreifen. Es ist mehr als nur ein Rennen; es ist ein Symbol.

Die Realität ist, dass der Radsport in Malta noch in den Kinderschuhen steckt. Mifsud räumt ein, dass das Land noch einen langen Weg vor sich hat, um mit den etablierten Radsportnationen Europas mithalten zu können. „Der Radsport in Malta ist noch nicht sehr entwickelt“, gibt er zu. Doch er sieht auch eine wachsende Begeisterung für die Sportart. „Es gibt viele Kenner, die viele Rennen verfolgen und sich dafür begeistern.“ Das Problem ist die geringe Größe des Landes, was sich in der Anzahl der Lizenzen widerspiegelt.

Sein Auftritt im Giro ist somit eine Art Fahnenstange für junge maltesische Radfahrer, die vielleicht noch nie davon geträumt haben, Seite an Seite mit den größten Stars der Welt zu fahren. Mifsud möchte mit seinem Beispiel eine kleine Tür öffnen und die Hoffnung wecken, dass auch aus einer kleinen Mittelmeerinsel große Erfolge möglich sind.

Die Ratschläge, die er von Alberto Contador und Iván Basso erhält, sind weniger episch, als man vielleicht erwarten würde. Stattdessen sind es pragmatische Tipps für eine lange Dreiwochen-Klassiker. „Der Giro ist sehr lang“, wiederholt Mifsud. „Wir müssen jeden Tag gut regenerieren und unsere Kräfte einteilen.“ Die Erfahrung dieser beiden Grand-Tour-Sieger ist dabei unbezahlbar.

Hinter der Startnummer verbirgt sich auch eine persönliche Geschichte, geprägt von doppelter Identität. Mifsud wurde und lebt in Cannes, an der Côte d'Azur, wo er regelmäßig trainiert. Seine familiären Wurzeln verbinden ihn jedoch tief mit Malta. Seit 2024 tritt er nun offiziell für sein Heimatland an. „Ich bin sehr stolz und glücklich“, sagt er.

Während er sich durch die Berge, den Regen und die Anstrengungen des Giro kämpft, repräsentiert Mifsud nicht nur sich selbst, sondern auch ein ganzes Land. Und vielleicht liegt gerade darin die Schönheit seiner Geschichte: zu zeigen, dass auch von einer kleinen Insel aus große Träume wahr werden können. Die Zahl der maltesischen Radsportler mag gering sein, aber die Leidenschaft und der Wille sind da. Und Andrea Mifsud ist der Beweis dafür.