Mietwagenbranche boomt – und betrüger schlagen zu
Der Mietwagenmarkt in Deutschland und ganz Europa erlebt gerade einen seiner stärksten Momente seit Jahren. Doch genau in diesem Hochgefühl haben kriminelle Netzwerke ihre Chance erkannt. Die Masche ist perfide: gefälschte Anbieter, nicht existierende Buchungen, echtes Geld weg. Und das alles beginnt mit einer simplen Google-Suche.
Rekordwerte im mietgeschäft – die zahlen sprechen eine klare sprache
Laut einer aktuellen Analyse von Aniasa – dem italienischen Branchenverband für Fahrzeugvermietung und Mobilitätsdienste – in Zusammenarbeit mit Dataforce hat die Mietwagenbranche im Jahr 2025 einen historischen Höchststand erreicht. Rund 525.000 Einheiten wurden vermietet, was einem Plus von über 10,73 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Das ist der stärkste Wert des letzten Jahrzehnts.
Das Langzeitmietgeschäft legte um 11,6 Prozent zu – angeführt von der ewig zuverlässigen Fiat Panda, die sich ihren Thron erneut sichert. Überraschender ist der Blick auf die Kurzzeitvermietung: Dort schoss das Wachstum auf 19,25 Prozent, und auf dem ersten Platz thront plötzlich die BYD Seal U – ein chinesisches Fahrzeug, das 2024 noch nicht einmal in den Rankings auftauchte, weil es sich damals noch in der Markteinführungsphase befand. Das sagt viel über die Geschwindigkeit, mit der chinesische Hersteller den europäischen Markt durchdringen.

Die schattenseite des booms: organisierter betrug im netz
Aniasa hat – und das verdient Respekt – mitten in dieser Euphorie die Notbremse gezogen. Der Verband warnt ausdrücklich vor einerwachsenden Welle an Online-Betrug, die gezielt Kunden trifft, die kurzfristig einen Mietwagen suchen. Die Täter sind keine Amateure. Es handelt sich um organisierte kriminelle Gruppen, die professionelle Webseiten und Anzeigen erstellen, die auf den ersten Blick kaum von echten Anbietern zu unterscheiden sind.
Der Ablauf ist immer derselbe. Der Nutzer sucht online nach einem Mietfahrzeug, stößt auf eine Anzeige mit Schlüsselwörtern, die stark an bekannte Marken erinnern, und nimmt Kontakt auf. Nach einem ersten Telefonat wird die Kommunikation auf WhatsApp verlagert. Dort folgen ein Angebot, eine Bestätigung – und dann die Zahlungsaufforderung. Sofortüberweisung auf ein Privatkonto. Oder ein QR-Code, der in einer Tabakhandlung eingelöst werden soll. Klingt absurd. Funktioniert trotzdem.
Das Erwachen kommt erst, wenn der Kunde zum Schalter des vermeintlichen Anbieters erscheint. Keine Buchung. Kein Fahrzeug. Kein Geld zurück.
So schützt man sich – und so erkennt man den betrug
Aniasa hat klare Leitlinien veröffentlicht. Seriöse Mietwagengesellschaften kommunizieren ausschließlich über offizielle Kanäle: Telefonnummern und E-Mail-Adressen, die auf der jeweiligen Unternehmenswebseite stehen. Buchungsbestätigungen kommen nie per WhatsApp oder über einen privaten Chat.
Wer zur Zahlung per Sofortüberweisung, Prepaid-Karte oder QR-Code aufgefordert wird, sollte sofort abbrechen. Echte Anbieter akzeptieren Kredit- oder Debitkarten – und zwar ausschließlich über die auf ihren offiziellen Seiten angegebenen Systeme. Kein seriöses Unternehmen bittet darum, eine Anzahlung auf ein Privatkonto zu leisten.
Der Boom der Branche ist real. Die Bedrohung durch Betrug ist es auch. Und wer im Netz nach dem günstigsten Angebot jagt, ohne zweimal hinzusehen, zahlt am Ende den teuersten Preis.
