Mick schumachers indycar-traum zerbricht an kurve 4

Statt Daten zu sammeln, sammelte Mick Schumacher Schrott. Noch ehe die erste Runde komplett war, saß der Deutsche in der Medical-Car-Pritsche – sein IndyCar-Debüt in St. Petersburg ein Debakel.

„Frustrierend“, schrieb der 26-Jährige später auf Instagram, „aber wir hätten nichts anders machen können.“ Racing eben. Klingt wie ein Satz, der vor Jahren schon seinem Vater auf die Lippen gezaubert wurde. Doch die Ironie ist bitter: Michael Schumacher fuhr einst Rundenrekorde, sein Sohn kommt nicht mal bis zur ersten Zieldurchfahrt.

Die kettenreaktion, die alles beendete

In Kurve 4, dem ersten harten Bremspunkt des Stadtkurses, zuckelten die Autos noch im Tross, da räkelte sich Sting Ray Robb nach innen, Santino Ferruci bremste spät, Schumacher sah nur noch eine Wand aus Carbon. Sein Dallara-Honda krachte mit 220 km/h in das Trümmerfeld. „Zuerst macht der eine zu, dann der andere“, beschrieb er das Chaos. Innerhalb von 1,3 Sekunden war die Saison-Planung Makulatur.

Der Unfall wirft ein Schlaglicht auf das grundsätzliche Problem des Deutschen: Startplatz 21 von 25. Ein Qualifying, das schon vor dem Rennen die Chancen auf Punkte zunichte machte. „Ich hab mir selbst das Leben schwer gemacht“, gibt er offen zu. In der IndyCar-Serie kann selbst ein Perfektionist nichts reparieren, wenn er mitten im Feld im Pulverfass sitzt.

Zwischen phoenix und dem traum von indianapolis

Zwischen phoenix und dem traum von indianapolis

Bereits am Samstag steht in Phoenix das zweite Rennen an – 1.600 Kilometer Wüste, keine Niederlassung für Nerven. Dann wird entschieden, ob Schumacher sich für die 500 Meilen von Indianapolis qualifiziert. Würde er es schaffen, wäre er der erste Deutsche seit 1923 auf der Brickyard. Die Zahl ist so alt, dass sie fast nach Historienklingelt.

Doch die Statistik kennt keine Gnade. Seit Timo Glocks letztem Start 2005 wartet Deutschland auf einen IndyCar-Punktereißer. 21 Jahre sind eine halbe Ewigkeit – in der Formel 1 wurde inzwischen dreimal die Turbo-Hybrid-Ära erfunden.

Schumacher selbst klingt, als hätte er den Schock schon verdaut. „Nächste Woche geht’s weiter!“ Mit Ausrufezeichen. So klingt ein Versprechen, das er sich selbst geben muss, weil sonst niemand darauf wartet. Die Datenanalyse wird erst mal ausfallen, dafür gibt’s jetzt eine Crash-Analyse. Manchmal ist die schnellste Runde die, die man nicht fährt.