Michael rösch: vom olympiasieg in die depression – ein offenes geständnis
- Michael rösch: vom olympiasieg in die depression – ein offenes geständnis
- Der triumph und der innere kampf
- Der erste tiefpunkt in pokljuka
- Der verlust des weltcup-platzes und die fehlende hilfe
- Der nationenwechsel und die suizidgedanken
- Die lebensbedrohliche situation und der weg zur besserung
- Die bedeutung der therapie und die botschaft an andere
- Hilfekontakte
Michael rösch: vom olympiasieg in die depression – ein offenes geständnis
Michael Rösch, ehemaliger Biathlet und Olympiasieger von Turin 2006, hat sich in einem bewegenden Interview erstmals öffentlich über seine schweren Depressionen geäußert. Er beschreibt eine Zeit innerer Zerrissenheit, die trotz und gerade wegen seines sportlichen Erfolgs begann. Der 42-Jährige schildert, wie er sich nach dem Gewinn der Goldmedaille mit der Staffel mental “tot” fühlte.
Der triumph und der innere kampf
Rösch galt nach seinem Olympiasieg als das neue Gesicht des deutschen Biathlons. Er feierte zwar weitere Erfolge, darunter drei WM-Bronzemedaillen mit der Staffel und zwei Weltcupsiege, konnte aber nie wieder an die Leistung von Turin anknüpfen. Der immense Druck, die Erwartungen zu erfüllen, und finanzielle Sorgen trugen zu seiner inneren Belastung bei. “Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot”, so Rösch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Der erste tiefpunkt in pokljuka
Bereits 2009 erlebte Rösch in Pokljuka einen ersten Tiefpunkt. Er verließ das Stadion mit einem Müllsack über der Schulter, innerlich gebrochen. Im gemeinsamen Podcast mit Christian Akber-Sade, “Nacksch - vom Olympiasieg in die Depression”, spricht Rösch offen über seine Erfahrungen und möchte damit anderen Betroffenen Mut machen. Er betont, dass es wichtig ist, über psychische Probleme zu sprechen und sich Hilfe zu suchen.

Der verlust des weltcup-platzes und die fehlende hilfe
Im Jahr 2009 verlor Rösch seinen Weltcup-Platz und verpasste die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver. Er scheute sich jedoch, professionelle psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, da er mentale Probleme als persönliches Versagen betrachtete. “Wer Hilfe sucht, galt als nicht belastbar”, erklärt Rösch. Er betont, dass sich diese Einstellung glücklicherweise in den letzten Jahren geändert hat und die Akzeptanz für psychische Gesundheit im Sport gewachsen ist.

Der nationenwechsel und die suizidgedanken
In der Saison 2011/12 verpasste Rösch trotz erfüllter WM-Norm die Heim-Weltmeisterschaft in Ruhpolding. Auf Anraten seines Managers entschied er sich für einen Nationenwechsel nach Belgien, was den Verlust seines Beamtenstatus bei der Bundespolizei bedeutete. Dieser Wechsel verzögerte sich jedoch bis Januar 2014, was im Januar 2013 erstmals zu dem Gefühl von Suizidgedanken führte.

Die lebensbedrohliche situation und der weg zur besserung
Nach der Diagnose einer
Drüsenfieber und einem Achillessehnenriss im Jahr 2015, wenige Tage nach einer Operation, befand sich Rösch in einer lebensbedrohlichen Situation. Die folgenden Monate waren geprägt von Hoffnungslosigkeit. Erst nach seinem Karriereende 2019 und einem emotionalen Zusammenbruch suchte er im Mai 2019 erstmals eine Notfallambulanz auf. Nach der Diagnose folgten Medikamente und über 50 Therapiesitzungen. “Es war wie ein Nebel – und plötzlich war blauer Himmel”, beschreibt Rösch seine Erfahrung.
Die bedeutung der therapie und die botschaft an andere
Rösch betont, dass die Therapie kein abgeschlossener Prozess ist und Rückschläge möglich sind. Sein Rat an andere Betroffene lautet: “Sucht euch Hilfe!”. Er appelliert an die Gesellschaft, das Thema psychische Gesundheit im Sport und im Leben generell offener zu diskutieren und Betroffenen Unterstützung anzubieten. Die Therapie hat ihm geholfen, mit seiner Anfälligkeit zu leben und einen Weg zurück ins Leben zu finden.

Hilfekontakte
- Telefonseelsorge: 0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 (rund um die Uhr, kostenfrei)
- Behandelnder Arzt oder Psychotherapeut
- Nächste psychiatrische Klinik
- Notarzt unter 112
