Michael rösch spricht offen über seine depression und suizidgedanken während seiner karriere

Michael rösch: ein stiller kampf hinter dem olympiasieg

Michael Rösch, 42, hat sich erstmals öffentlich über seine schweren Depressionen und sogar SuizidgedankenTAG13 während seiner aktiven Karriere im Biathlon geäußert. In einem Interview mit der “dpa” sagte er: „Der Olympiasieg war öffentlich. Der schwerste Kampf fand im Stillen statt. Mental war ich zeitweise tot.“ Rösch, der heute als Experte für Eurosport arbeitet, gewährt in seinem Podcast “Nacksch – vom Olympiasieg in die Depression” tiefere Einblicke in seine dunkle Zeit.

Der beginn einer schwierigen reise: turin und die hohen erwartungen

Der beginn einer schwierigen reise: turin und die hohen erwartungen

Röschs Karriere begann mit einem Paukenschlag: Gold mit der Staffel bei den Olympischen Spielen in Turin 2006. Dieser frühe Erfolg setzte ihn jedoch unter enormen Druck. Die Erwartungen stiegen, doch weitere große Erfolge blieben aus. Zusätzlich belasteten ihn finanzielle Sorgen. Dieser frühe Triumph wurde somit zum Beginn einer emotionalen Achterbahnfahrt.

Der tiefpunkt in pokljuka: ein gebrochener mensch

Der tiefpunkt in pokljuka: ein gebrochener mensch

Im Jahr 2009, nach einem Weltcup-Rennen in Pokljuka, erreichte Rösch einen Tiefpunkt. „Ich bin mit einem Müllsack über der Schulter aus dem Stadion gegangen – innerlich war ich gebrochen“, so Rösch in seinem Podcast. Diese Szene symbolisiert den inneren Zustand des Sportlers, der trotz äußerlichen Erfolgs am Rande des Zusammenbruchs stand. Er verzichtete auf professionelle Hilfe, da im Sportumfeld Hilfesuche als Schwäche galt.

Rückschläge und der verzögerte hilferuf

Weitere sportliche Rückschläge folgten. Rösch verlor seinen Platz im Weltcup-Kader und wurde 2010 nicht für die Olympischen Spiele in Vancouver nominiert. Die Schwierigkeiten verstärkten seine mentalen Probleme. Bis 2012 erlebte er Panikattacken und wurde trotz Erfüllung der Norm vor der Heim-WM in Ruhpolding aussortiert. Der Konflikt mit dem DSV führte schließlich zu einem Nationenwechsel nach Belgien.

Der nationenwechsel und der kampf um anerkennung

Der Wechsel nach Belgien war ein langwieriger und komplizierter Prozess. Rösch musste seinen Beamtenstatus bei der Bundespolizei aufgeben. Im Januar 2013 kam es zum ersten Mal zu Suizidgedanken. Der Nationenwechsel funktionierte zwar, doch 2015 bremsten körperliche Probleme – ein Drüsenfieber und ein Achillessehnenriss – seine Karriere erneut aus. Diese Ereignisse führten zu einer lebensbedrohlichen Situation, nach der er sich monatelang „dahinvegetierte“.

Der weg zur besserung: therapie und ein neuanfang

Nach seinem Karriereende 2019 und einem emotionalen Zusammenbruch suchte Rösch im Mai desselben Jahres erstmals professionelle Hilfe auf. Medikamente und über 50 Therapiesitzungen halfen ihm, den Weg zurück ins Leben zu finden. „Es war wie ein Nebel – und plötzlich war blauer Himmel“, beschreibt er seinen Fortschritt. Die Therapie sei jedoch ein andauernder Prozess.

Ein appell an andere betroffene: hilfe suchen ist kein zeichen von schwäche

Mit Blick auf seine eigene Geschichte appelliert Rösch an Menschen in ähnlichen Situationen: „Sucht euch Hilfe!“ Er betont, dass es wichtig ist, sich nicht zu schämen und Unterstützung anzunehmen. Sein offener Umgang mit seiner Krankheit soll anderen Mut machen, ebenfalls den Weg zur Genesung zu suchen. Er möchte zeigen, dass auch hinter erfolgreichen Sportlern Menschen stecken, die mit ihren Dämonen kämpfen.