Mercedes schluckt alpine-anteil: 24 % im visier, briatore bestätigt heimliche verhandlungen
Shanghai – mitten im Boxengewirr des Großen Preises von China platzte die Bombe: Mercedes-Benz will bei Alpine einsteigen und genau 24 % der Anteile übernehmen, die der Investor Otro Capital seit Ende 2023 hält. Flavio Briatore, der erprobte Comeback-Teamchef, bestätigte gegenüber SPORT1, dass „die Verhandlungen laufen“. Kein Dementi, kein Nebelkerzen-Rauch – nur die nüchterne Feststellung, dass sich „die Situation von Tag zu Tag ändert“.
Die Szenerie passt wie der Handschuh auf ein Lenkrad. Alpine fährt seit dieser Saison Mercedes-Motoren, das eigene Werk in Viry-Châtillon wurde abgewickelt. Jetzt rückt der Stuttgarter Konzern auch bei der Kapitalseite nach. Der Preis: 2,5 Milliarden Euro wird das Team derzeit taxiert. Ein satzer Gewinn für Otro Capital, das die Anteile vor 28 Monaten deutlich günstiger einsackte.
Warum jetzt? die motoren-abhängigkeit wird zur eintrittskarte
Die Chronologie ist lückenlos: Alpine stellt eigenen Antrieb ein, unterschreibt bei Mercedes – und schon steht der nächste Schritt bereit. Kein Zufall, sondern Strategie. Mit 24 % schlüpft Mercedes nicht in die Mehrheit, aber in eine Position, die Vetorechte bei technischen Fragen sichert. Das reicht, um künftige Regeländerungen mitzuschreiben und die eigene Motoren-Division vor unliebsamen Überraschungen zu schützen.
Toto Wolff? Abgemeldet. Briatore betonte ausdrücklich, dass kein Privatdeal im Raum steht. Der österreichische Mercedes-Teamchef soll seine Finger von der Transaktion lassen – ein klares Signal an die Aufsichtsräte in Stuttgart: Dies ist eine Industriepolitik-Entscheidung, keine Milliarden-Hobby-Leidenschaft.

Die bewertung explodiert – und briatore spielt alle trümpfe aus
2,5 Milliarden für ein Mittelfeld-Team? Analysten lachten noch vor zwei Jahren. Doch die Formel 1 hat sich zur Content-Maschine gemausert. Netflix, Las Vegas, 24 Rennen – die Einnahmen klettern, die Teams werden zu Medienhäusern auf Rädern. Otro Capital sitzt auf einer Goldmine und kann sich jetzt mit goldenen Handschuhen zurückziehen.
Mercedes wiederum sichert sich Einblick in ein zweites Team – nach eigener Haustruppe und neben der langjährigen Partnerschaft mit McLaren. Drei Motorenkunden, zwei Kapitalschwerpunkte: Das Baukasten-Prinzip der Zukunft nimmt Gestalt an.
Die Fans in den Tribünen von Shanghai ahnten nichts. Sie feuerten Hamilton und Leclerc an, während hinter der Holzfassade der Hospitality-Lounge Verträge vorbeigefaxt wurden. Formel 1 eben: Die Show läuft auf der Strecke, die Geschäfte im Schatten der Tribüne.
Der Deal kann binnen Wochen unter Dach sein. Dann steht Alpine nicht mehr nur mit Mercedes-Motoren, sondern auch mit Mercedes-Geld in der Garage. Der Rest der Grid wird rechnen – und vermutlich nachziehen.
