Memmingen zieht den stecker: keine fahrstuhl mehr, nur noch licht

Der FC Memmingen spielt sich gerade aus der eigenen Geschichte heraus. Kein Abstieg, kein Drama, kein finanzielles Fiasko. Nach dem 1:1 gegen Hankofen-Hailing reicht ein Punkt am letzten Spieltag, um die Regionalliga-Bayern-Lizenz auch 2025/26 zu sichern – und das, obwohl vor zwölf Monaten die Insolvenz drohte.

Die wende kam im kopf, nicht auf dem platz

Matthias Günes schaut nicht zurück. „Wir waren gefühlt näher am Sieg“, sagt er nach dem Remis, aber die Stimme klingt nicht mehr wie früher, als jeder Punktverlust wie ein Befreiungsschlag für die Bayernliga klang. Die Mannschaft ist seit fünf Spielen ungeschlagen, hat sich in Hankofen trotz zweier strittiger Elfmeter-Szenen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Knoten ist geplatzt, weil der Vorstand ihn endlich am richtigen Ende gesucht hat.

Andreas Minkenberg, 62, Sanierer aus Leidenschaft, übernahm den Klub als „Fall“ mit einer Lücke von 500 000 Euro. Heute spricht er von 350 000 Euro, die binnen zwölf Monaten weggearbeitet wurden – nicht durch Spendenmarathons, sondern durch harte Kürzungen und den Verkauf der Obergeschosse des e-con ArenaPark. Die Immobilie zahlt jetzt die Tilgung, der Verein behält Untergeschoss und VIP-Lounge, das Flutlicht erstrahlt mit 400 Lux, und niemand redet mehr vom vierten Abstieg in Folge.

Ein kader, der endlich zusammenwächst

Ein kader, der endlich zusammenwächst

Dass Abwehrchef David Bauer fehlt, dass Kapitän Lukas Rietzler nach seinem Muskelfaserriss nur noch 45 Minuten macht – früher war das Vorlage für die nächste Niederlage. Stattdessen springen Fabian Lutz und Co. ein, weil sie wollen, nicht weil sie müssen. Elf Unentschieden, das ist keine Schande mehr, sondern die Antwort auf die Frage, wie man mit kleinem Budget große Punkte sammelt. „Wir sind der Unentschieden-König? Dann tragen wir die Krone mit Stolz“, sagt Günes, und man glaubt ihm.

Im Hintergrund arbeitet Sergé Ahrens, zehn Jahre Illertissen, jetzt Sportvorstand in Memmingen. Er holt keine Stars, er verhindert, dass die eigenen Talente weglaufen. Es ist das Gegenteil von früher: Statt mitzufahren, baut man selbst den Fahrstuhl um.

Die schwarze null ist kein wunsch, sondern ein termin

Die schwarze null ist kein wunsch, sondern ein termin

Schatzmeister Kramer nennt das Ziel für 2026: „Kein roter Strich mehr in der Bilanz.“ Dafür verpachtet der Klub langfristig, spart an Strom, an Trikots, an Reisekosten. Die zwei Memminger Unternehmen, die die letzte Lücke stopfen, stehen nicht als Sponsor auf dem Trikot – sie stehen als Retter in der Start-up-Logik: kurzfristig liquid, langfristig solidarisch.

Am Samstag reicht ein Punkt in Schweinfurt. Dann ist der Klassenerhalt fix, und die ArenaPark-Türme werfen keine Schatten mehr auf den Rasen. Memmingen hat sich selbst gerettet – nicht mit einem Knall, sondern mit einem 1:1, das wie ein Sieg wirkt. Endlich geht’s nur noch nach oben, und zwar auf festem Boden.