Mbappé: „franzosen sind am glücklichsten, wenn sie nörgeln!

Kylian Mbappé hat in einem exklusiven Interview mit Vanity Fair die brennenden Fragen rund um die bevorstehende Weltmeisterschaft und die Erwartungen an die französische Nationalmannschaft beantwortet – und dabei einige überraschende Einblicke gewährt. Der Stürmerstar, dessen Rolle im Team von Deschamps unter besonderer Beobachtung steht, sprach offen über Druck, Kritik und die Rolle des Sportlers in der Gesellschaft.

Die bürde der erwartungen: ein balanceakt

Die bürde der erwartungen: ein balanceakt

Die Last der Erwartungen, die auf den französischen Spielern lastet, ist immens. Mbappé räumte ein, dass es „schwierig“ sei, in einer Situation zu agieren, in der „jeder erwartet, dass wir Wunder vollbringen“. Doch er betonte: „Wunder geschehen nur auf dem Platz. Man muss nicht das Spiel vor dem Spiel spielen.“ Diese Klarstellung unterstreicht den Fokus auf die Leistung und die Notwendigkeit, den Druck in konstruktive Energie umzuwandeln.

Ein Detail, das oft übersehen wird: Die öffentliche Kritik an der vielfältigen Zusammensetzung der französischen Nationalmannschaft. Mbappé konterte mit einem Augenzwinkern: „Wir sind Franzosen! Den Franzosen gefällt es, sich zu beschweren. Den Franzosen gefällt es, unzufrieden zu sein. Wir sind einfach Franzosen. Also: Franzosen, die Franzosen kritisieren – das ist es, was es ist.“ Seine selbstironische Betrachtung der französischen Mentalität zeigt ein tiefes Verständnis für die Eigenheiten seiner Heimat.

Die Frage, ob Sportler schweigen sollten, beantwortete Mbappé unmissverständlich. „Wir sind Bürger und konnten nicht mit verschränkten Armen stehen und uns einreden, dass alles gut wird, und dann einfach spielen gehen. Wir haben versucht, gegen diese Idee anzukämpfen, dass ein Fußballer schweigen und sich nur aufs Spielen beschränken soll.“ Er betonte sein Recht als Bürger, seine Meinung zu äußern, und warnte vor den Konsequenzen, wenn „solche Leute die Kontrolle übernehmen“.

Die Schattenseiten des Ruhms sind für Mbappé allzu real. „Manchmal denkt die Leute, dass, weil du Geld hast und berühmt bist, dich solche Probleme nicht betreffen. Aber das stimmt nicht, weil ich weiß, was es bedeutet und welche Konsequenzen es für mein Land haben kann, wenn solche Leute die Kontrolle übernehmen.“ Er gesteht ein, dass der Ruhm ihn verändert hat, ihn das Gefühl gibt, „nicht mehr ganz sich selbst zu gehören, sondern jedem zu gehören.“

Als junger Spieler habe er gelernt, mit der Aufmerksamkeit umzugehen. „Ich habe nicht immer gut damit umgehen können… weil ich sehr jung berühmt wurde. Und deshalb hatte ich nicht die Reife, die Offenheit und die Empathie, um mich manchmal in die Lage anderer zu versetzen und zu verstehen, dass sie mich manchmal nur einmal sehen; sie werden mich nie wiedersehen, außer im Fernsehen.“ Diese Erkenntnis hat ihn dazu gebracht, „etwas verständnisvoller“ zu sein, auch wenn die Grenzen manchmal überschritten werden.

Die Quintessenz: Mbappé hat in diesem Interview nicht nur über Fußball gesprochen, sondern auch über Verantwortung, Identität und die Rolle des Sportlers in der Gesellschaft. Seine Worte sind ein Appell an die Selbstreflexion und ein Plädoyer für eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen unserer Zeit. Denn wie Mbappé so treffend feststellte: „Wir sind Franzosen – und das ist auch gut so, auch wenn wir manchmal nörgeln.“