Mattuschka über baumgart-rauswurf: union hätte den abgang besser inszenieren müssen
Torsten Mattuschka kennt beide Seiten. In Cottbus geboren, in Köpenick vergöttert – und jetzt als TV-Experte gefragt, der die Nerven seiner Ex-Vereine analysiert. Sein Urteil zur Trennung von Steffen Baumgart fällt gnadenlos aus: „Das hätte man anders moderieren können.“
Der späte stich ins herz
23:57 Uhr, Heidenheim, 0:1. Die Uhr schlägt Mitternacht, Baumgart bekommt den Anruf. „Der Zeitpunkt war kalkuliert schlecht“, sagt Mattuschka im rbb-Gespräch. „So ein Rausschmiss nach dem letzten Pfiff wirkt wie Flucht statt Strategie.“ Union rettete sich in die Relegationsinsel, doch der Nachgeschmack bleibt. „Den einen Punkt hätte Baumi auch geholt“, wirft der ehemalige Kapitän ein. Er spricht aus Erfahrung: 2012 stolperte er selbst über die Klinge der sportlichen Leitung, damals noch als Spieler.
Die Statistik bestätigt seine These: Unter Baumgart sammelte Union in der Hinrunde 1,59 Punkte pro Spiel, nach der Winterpause nur noch 0,88. Doch die Art der Trennung irritiert selbst Außenstehende. „Du trennst dich nicht per WhatsApp vom Gesicht des Klubs“, sagt Mattuschka und meint damit die Kommunikation, die intern nur wenige Stunden vor der Pressemitteilung ankam.

Heldt steht vor einem 300-bewerbungs-stau
Sportchef Horst Heldt muss nun liefern – und das schnell. Mattuschka hat einen Favoriten: Christian Eichner. „Der Mann brennt, er lebt Transition-Presse und kann Talente formen“, schwärmt der 42-Jährige. Eichner arbeitet aktuell in Heidenheim, kennt also die Liga und die östliche Mentalität. „Union braucht keinen Entertainer, sondern einen Konzeptler, der die Abwehr stabilisiert und trotzdem Spielfreude gibt.“
Die personelle Lücke ist gewaltig. Mit Doekhi und Leite fehlen 3.100 Zweikampfminuten, dazu 12 Tore aus dem Mittelfeld. „Wir sind seit Jahren auf lange Bälle programmiert“, kritisiert Mattuschka. „Gegner stellen zwei Sechser vor die Innenverteidiger – fertig ist die Blockade.“ Ein kreativer Achter und ein ballsicherer Zehner stehen ganz oben auf der Wunschliste.

Cottbus schreibt das märchen weiter
Während in Berlin die Köpfe rauchen, rollt in der Lausitz der Aufstiegszug. „Vor der Saison hätte ich gewettet, dass sie auseinanderbrechen“, gibt Mattuschka zu. Doch Energie Cottbus nutzte den Frust der Vorsaison als Treibstoff. Trainer Claus-Dieter Wollitz installierte ein 4-4-2 mit ballorientiertem Zehner, das die Liga überrannte. Die Fangruppe „BlueBoys“ reist mit 2.500 Leuten nach Duisburg, trotz 1:2-Niederlage bleibt die Stimmung.
Die Zahlen sprechen für sich: 23 Siege in 34 Partien, 71 Tore, nur 29 Gegentreffer. „Die Jungs wollen einfach da hin“, sagt Mattuschka und tippt auf die Stirn. „Mentalität kann man nicht kaufen, nur erleben.“

Der blick nach vorn
Mattuschka absolvierte 252 Spiele für Union, 98 für Cottbus. Er kennt die Sehnsucht beiner Seiten. „Union muss jetzt clever reagieren, sonst wird es eng“, warnt er. „Cottbus darf nicht nach unten schauen, sonst verpasst man den Absprung.“ Am Sonntag entscheidet sich, ob die Lausitz nach 14 Jahren zurück in den Profitisch kommt. Am selben Tag beginnt in Köpenick die neue Ära – mit oder ohne Eichner.
Die Uhr tickt. Für Horst Heldt, für Energie Cottbus, für den gesamten Osten. Mattuschka lacht: „Der Rückspiegel ist klein, die Frontscheibe riesig. Jetzt heißt es Gas geben.“
