Matthews bricht sich beide handgelenke – traum von der saison platzt in sekunden

Donnerstagmorgen, stiller Asphalt bei Calpe: Michael Matthews schlägt auf, hört das Knacken zweimal. Sekunden später steht fest: beide Handgelenke gebrochen, Saisonplan 2024 zerbrochen. Der 35-jährige Australier wird Jayco AlUla monatelang fehlen, das komplette Frühjahrsklassiker-Programm ist Makulatur.

Die diagnose kam per ct, die enttäuschung sofort

Teamärzte bestätigten den doppelten Bruch am Handgelenk, die Entlassungszeit liegt bei sechs bis acht Wochen – ohne Garantie. Matthews verpasst damit nicht nur die Paris–Nice-Generalprobe, sondern auch Mailand–Sanremo, die E3 Saxo Classic, Ronde van Vlaanderen, Amstel Gold Race, Lüttich–Bastogne–Lüttich und Eschborn–Frankfurt. Ein halbes Dutzend Monumente fällt aus, bevor das erste Kornblumenfeld blüht.

Die Ironie: Matthews hatte gerade in Castellón seine Form unter Beweis gestellt. Den Sieg dort wollte er als Startschuss missbrauchen, endlich wieder um das Grüne Trikot mitzufahren. Stattdessen schickt er jetzt Selfies aus dem Trainingszimmer, Ellbogen statt Lenker. „Bling“ – der Spitzname wegen der auffälligen Ohrringe – funkelt gerade nur in medizinischem Kunstlicht.

Jayco alula verliert seinen allrounder in der entscheidenden phase

Sportlich ist der Schlag massiv. Matthews ist kein reiner Sprinter, er ist der Mann für die hügeligen Tage, der die Leitung aus dem Wind holt und im Finale noch zupackt. Ohne ihn muss das Team die Kapitänsrolle neu verteilen: Dylan Groenewegen bekommt mehr Gegenwind, Simon Yates zusätzliche Berglast. Die Frühjahrstrilogie der WorldTour verläuft ohne ihren Mr. Zuverlässig.

Vertraglich tickt ebenfalls die Uhr. Matthews’ Konstellation läuft Ende 2024 aus; ein Jahr ohne Einsatzzeiten ist in der aktuellen Marktlage kein Garant für ein neues Blatt. Teams schauen auf Punkte, nicht auf Vergangenheit. Der australische Verband indes befürchtet bereits, dass sein Poster-Boy die Heimspiele in Adelaide 2025 verpassen könnte.

Die statistik kennt kein mitleid

Seit seinem Profi-Debüt 2011 verletzte sich Matthews alle zwei Jahre schwer: Rippenbruch Tour 2015, Schulter-OP 2018, Kreuzbandanschluss 2020. Die Verletzungsliste liest sich wie ein Handbuch der Sporttraumatologie. Dennoch holte er vier Tour-Etappen und 2017 das Grüne Trikot – der einzige Australier nach Robbie McEwen, der diese Wertung tragen durfte. Die Zahlen sprechen für seine Robustheit, nicht für sein Glück.

Reha-Start ist offiziell „sofort“, wobei „sofort“ bedeutet: Daumendrehen, bis die Schwellung zurückgeht, dann Kraftzelle, dann Aquajogging, dann – vielleicht – Home-Trainer mit Speziallenker. Die Saison ist nicht komplett gelaufen, doch die Frühjahrs-Klassiker sind gestrichen. Wer jetzt auf Ranglistenpunkte jagt, darf nicht warten.

Matthews selbst schwieg nach dem Sturz öffentlich, ließ nur einen Satz durchs Team laufen: „I’ll be back, stronger.“ Klingt nach Hollywood, ist für ihn Alltag. 2013 gewann er in der Vuelta, 2016 in der Tour – beide Male nach Zusammenbrüchen. Die Handgelenke sind gebrochen, die Motivation intakt. Für den Rest des Pelotots heißt es jetzt: Eine Ikone weniger auf der Straße, eine mehr im Kopf der Konkurrenz.