Mathis häseler: der rechtsaußen, der in dortmund nach hause kommt

18.15 Uhr, Westfalenhalle – für Mathis Häseler ist das kein Länderspiel, es ist ein Heimspiel. Der 23-jährige Rechtsaußen trägt zwar das DHB-Trikot, aber in seinem Revier spielt er heute gegen Ägypten. Dortmund liegt 15 Kilometer von Lünen, seiner Geburtsstadt, entfernt. Dort steht seine Familie, dort steht seine alte Schule, dort steht der Sportplatz, auf dem er als Kind mit dem Ball jonglierte, bis die Lichter ausgingen.

Ein gummersbach-junge auf dem weg nach oben

Seit zwölf Jahren brennt dieselbe Flamme. Mit zwölf Jahren wechselte Häseler zur Jugendakademie des VfL Gummersbach. Tom Kiesler war schon da. „Er war der Zwölfjährige, der nie die Nerven verlor“, erinnert sich Kiesler, heute 24, Nationalmannschaftskollege und Mitbewohner der Handball-WG in der Oberberg. B-Jugend, A-Jugend, U23 – sie durchliefen alle Stufen zusammen. „Wir haben uns gegenseitig schwindelig gespielt, dann gegenseitig gewachsen.“

Die Silbermedaille bei der Europameisterschaft im Januar war kein Zufall. Häseler stand nicht oft auf dem Feld, aber wenn er kam, lief der deutsche Angriff wie geschmiert. 13 Minuten gegen Frankreich, 9 gegen Spanien – genug, um sich als Notnagel zu profilieren. Bundestrainer Alfred Gislason nannte ihn nach dem Turnier „einen Spieler, der keine Sekunde spielt, als wäre er austauschbar“.

Sigurdsson sieht den nächsten schritt

Sigurdsson sieht den nächsten schritt

Gudjon Valur Sigurdsson weiß, wovon er spricht. Der Isländer war einst bester Linksaußen der Welt, heute steht er an der Linie in Gummersbach. „Mathis hat diese Ruhe im Kopf, die man nicht lernen kann“, sagt er. „Er trifft auch, wenn das Spiel quietschen sollte.“ Sigurdsson verlängerte Häselers Vertrag bis 2028 – ein klares Signal. „Er wird nicht nur größer, er wird gefährlicher. In zwei Jahren redet ganz Europa über ihn.“

Die Zahlen sprechen für sich: 52 Treffer in dieser Bundesliga-Saison, 68-prozentige Wurfquote, dazu 22 Assists. Und das in einem Team, das sieben Spiele nacheinander gewann. Gummersbach ist wieder da, und Häseler ist der Mann, der den Ball trägt, wenn es brenzlig wird.

Heimspiel mit pfiff

Heimspiel mit pfiff

Gegen Ägypten will Häseler zeigen, dass das EM-Silber kein einmaliger Glücksfall war. „Ich will mehr Minuten, mehr Verantwortung“, sagt er. Die Westfalenhalle wird mit 12.000 Zuschauern ausverkauft sein. Sein Vater sitzt in Reihe vier, seine Mutter in Reihe fünf. „Die kennen jeden Pfiff, den ich je bekommen habe“, lacht er. „Wenn ich heute treffe, höre ich sie vor dem Netz kreischen.“

Die deutsche Handball-Nation wartet auf den nächsten großen Rechtsaußen seit Uwe Gensheimer. Häseler trägt dessen alte Rückennummer 7. Er trägt sie nicht wie ein Erbe, sondern wie eine Drohung. Nach dem Spiel geht die Reise weiter nach Kiel, dann nach Paris. Aber heute Abend ist erst mal Dortmund dran. Und für Mathis Häseler ist das mehr als ein Länderspiel. Es ist die Rückkehr an den Ort, an dem alles begann – nur dass er diesmal nicht mehr der Junge mit dem Traum ist, sondern der Mann mit dem Silberstreifen um den Hals.