Massini zerfleischt putin live im tv: ein monolog, der die macht entlarvt
Um 21 Uhr flimmert heute auf NOVE kein gewöhnlicher Dokuschock, sondern ein literarischer K.o.-Schlag: Stefano Massini („Die Lehman Trilogy“) widmet sich in „Io, Vladimir – Massini erzählt Putin“ einer Stunde lang ausschließlich dem Mann, der das Weltregal leer kauft – Gas, Land, Gehirne.

Der italienische ton bläst zur gegenangriff-serie
Der Sendebetrieb startet ein neues Format: Zeitgeschichte, erklärt von Kult-Autoren, nicht von Nachrichtenredakteuren. Massini liefert den Auftakt, Regisseur Fabio Calvi inszeniert die Abrechnung als Ego-Theater, live begleitet von Pianist Luca Baldini. Keine Talking-Heads, ein einzelner Körper, 50 Jahre russische Machtmechanik in einem Atemzug.
Der Dramatiker packt nicht Chronologie, sondern Psychoanalyse aus. Er spricht vom Icehockey-Sturz Putins – ein Gleichnis für Staatsräson: wer fällt, tritt schneller zu. Trump und Putin? Unterschiedliche Startblöcke, gleiche Sprintstrecke zum Supermarkt der Rohstoffe. Die Botschaft: Ideologie ist Staffage, der Zugriff zählt.
Massini kennt die Materie. Der 1975 geborene Ex-Regieassistent von Luca Ronconi am Mailänder Piccolo Teatro schrieb sich mit dem Tony-Award-Gewinner „Die Lehman Trilogy“ in die Theatergeschichte ein. Seit 2025 lenkt er das Teatro Nazionale Toscana. Seine Mischung aus akribischer Recherche und Bühnen-Pop macht ihn zum idealen Erklär-Berserker für ein Publikum, das sonst zwischen Netflix und Soccer umschalten würde.
Discovery+ streamt parallel, doch der Clou bleibt linear: Wer heute abschaltet, verpascht die Pointe – Massini endet mit dem Bild eines halben Jahrhunderts, das sich in Putins Handfläche verkrampft. Die Frage ist nicht, ob der Westen mithört, sondern wie lange er noch zögert, den Arm auszustrecken.
