Mas kämpft mit formrückfall: giro-träume zerplatzen?
Die Hoffnungen der deutschen Equipe Movistar auf einen Podestplatz beim Giro d'Italia schrumpfen zusehends. Enric Mas, einst als einer der aussichtsreichsten Anwärter gehandelt, ringt weiterhin mit den Folgen seiner jüngsten gesundheitlichen Probleme und einer noch nicht vollständig überwundenen Formkrise. Der Blockhouse-Etappenverlauf offenbarte deutliche Schwächen des Mallorquiners, und die einst so realistische Zielsetzung eines Platzes unter den ersten Drei scheint nun in weite Ferne gerückt zu sein.
Die ursachen des formtiefs: mehr als nur nachwirkungen der thrombose
Im Rahmen eines Interviews mit MARCA analysierte Mas selbst die Gründe für seine derzeitige Situation. „Es ist einfach, was ich in den letzten Monaten alles hinter mir habe“, erklärte er offen. „Vom Tour bis hierher fast ohne Rennen, fast ohne gute Trainingsblöcke… Ich passe mich an, und das ist es.“ Diese ehrliche Einschätzung offenbart die immense Belastung, die die lange Leidenszeit und die fehlende Wettkampfpraxis bei ihm hinterlassen haben. Es ist ein Prozess, der Zeit braucht, und der Mas offensichtlich mehr zu schaffen macht, als er zunächst zugeben wollte.
Die Frage, wie ein erfahrener Anführer wie Mas mit einer solchen Situation umgeht, beantwortete er pragmatisch: „Es war Teil der Planung. Es ist kein Scheitern, ganz im Gegenteil. Wir haben hier noch viele Möglichkeiten, das Ruder herumzureißen.“ Diese positive Einstellung und der Glaube an die Stärke des Teams sind bemerkenswert, auch wenn die Realität eine andere aussagt.
Doch woher schöpft Mas die Kraft, die notwendige mentale Stärke, um trotz allem weiterzukämpfen? „Es scheint, als wäre jemand gestorben, wenn man diese Fragen stellt, aber so ist es nicht“, entgegnete er mit einem Anflug von Ironie. „Der Radsport geht weiter, das Leben geht weiter, und man muss bis zur Ziellinie alles geben.“ Eine pragmatische Akzeptanz der Situation, die weit über bloße Lippenbekenntnisse hinausgeht.

Die kameraden als rückhalt: mehr als nur teamkollegen
Die Bedeutung der Teamkollegen und des Stabes für Mas’ Motivation darf nicht unterschätzt werden. „Sie spielen eine riesige Rolle, weil wir viel Zeit miteinander verbringen. Einige von ihnen sind fast wie Freunde, und die Ermutigung, die sie uns geben, ist für mich entscheidend.“ Diese Worte unterstreichen die enge Verbundenheit innerhalb des Teams und die Wichtigkeit des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten.
Nach den enttäuschenden Etappen sucht Mas offenbar Trost und Abstand bei seiner Familie. „Ich spreche mit meiner Familie, mit meiner Frau, mit meinen Kindern, aber ich mache nichts, was mit dem Radsport zu tun hat. Ich versuche, mich komplett abzuschalten.“ Ein Zeichen dafür, dass er die Notwendigkeit der mentalen Erholung erkannt hat.
Seine Kinder, die ihm zusätzliche Kraft geben: „Wenn man Vater wird, gewinnt man zwar Watt, verliert aber etwas an Geschwindigkeit.“ Ein Augenzwinkern, das die Herausforderungen des Familienlebens mit dem Leistungsdruck im Profisport auf humorvolle Weise verbindet. Mas betonte, dass er sich in solchen Momenten voll und ganz auf das Rennen konzentriere und die UCI-Punkte ausblende.

Blick nach vorn: etappenjagd und die zukunft im movistar-team
Die kurzfristige Zielsetzung von Mas ist nun klar: „Ich erwarte, dass mir noch sechs gute Jahre im Radsport bleiben. Pläne über sechs Jahre zu machen, ist noch viel zu früh.“ Diese Aussage zeigt, dass er sich auf die Gegenwart konzentriert und die langfristige Planung vorerst zurückstellt. Der Fokus liegt auf dem Giro und dem Versuch, einzelne Etappen zu gewinnen, ähnlich wie er es im letzten Tour de France demonstrierte.
Die Verpflichtung von Iván Romeo wird von Mas positiv gesehen: „Er bringt Ruhe in beide Lager – für Iván und für das Team.“ Er rät Romeo, sich auf seine aktuelle Leistung zu konzentrieren und den Prozess zu genießen.
Auch die Frage nach Tadej Pogacar, dem dominanten Fahrer der letzten Jahre, ließ Mas nicht unberührt. „Wir haben gesehen, dass er alles gewinnen kann. Ich glaube, er wird das auch weiterhin tun, bis er eines Tages genug davon hat und aufhört.“ Eine ehrliche Anerkennung der außergewöhnlichen Fähigkeiten Pogacars, der weiterhin das Peloton herausfordert.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Enric Mas seine Form wiederfinden und seine Giro-Träume neu entfachen kann. Doch eines ist klar: Er kämpft weiter, unterstützt von seinem Team und seiner Familie, und gibt niemals auf. Die Hoffnung stirbt zuletzt, und im Radsport ist alles möglich.
