Marseiler fällt aus: darmstadts aufstiegsträume platzen mit kreuzbandriss

Die Lilien müssen auf ihren treibenden Motor verzichten. Luca Marseiler, 25, zog sich am Samstag gegen Schalke 04 einen Kreuzbandriss zu – und beendet damit vorzeitig die Saison des SV Darmstadt 98.

Die Diagnose ist makaber präzise: vorderes Kreuzband rechts, total. Kein Kontakt, kein Foul. In der 23. Minute rutschte Marseiler aus, sein Knie verdrehte sich, das Stadion verstummte. Zwei Tage später bestätigte der Klub das Worst-Case-Szenario.

Der moment, als der ligamotor ausknipste

Trainer Jürgen Kramer hatte Marseiler erst zehn Minuten zuvor auf die rechte Außenbahn verfrachtet – seine Lieblingsposition, von der aus er in dieser Spielzeit bereits sieben Vorlagen gab. Die Statistik zeigt, dass Darmstadt mit Marseiler 1,8 Tore mehr pro 90 Minuten erzielt als ohne ihn. Seine Dynamik war das Salz in der Lilien-Suppe. Nun fehlt der Gewürzgeber monatelang.

Sportdirektor Paul Fernie spricht von einem „Schock für die gesamte Vereinsfamilie“. Doch hinter der Phrase schwingt ein kalter Rechenvorgang mit. Darmstadt liegt zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz, die englischen Wochen kommen. Ohne Marseilers Tempo wird das Aufstiegsrennen zur Zitterpartie.

Was der kreuzbandriss wirklich kostet

Was der kreuzbandriss wirklich kostet

Die Arztrechnung liegt schnell bei 60.000 Euro – addiert man Ausfallzeiten, Reha und mögliche Nachoperationen, steigt die Summe auf eine halbe Million. Marseilers Vertrag läuft 2027, die Leistungsklausel könnte fallen. Der Spieler verliert, der Klub verliert, die Fans verlieren.

Doch die wahre Währung ist Zeit. Sechs Monate Minimum, oft ein Jahr bis zur alten Form. Die Bundesliga-Geschichte ist voll von Talenten, die nach einem Kreuzbandriss nicht mehr ganz zurückfanden. Marseiler muss nun beweisen, dass er zur Ausnahme wird.

Am Böllenfalltor wird bereits geprobt, wie man ohne ihn kombiniert. Die U-23-Kicker Ben-Köhler und Riedel sollen Sprints absolvieren, die Marseiler sonst lief. Kramer testet ein 3-4-3, das seine Flügelläufer ersetzt. Die Lösung ist notdürftig, wie ein Ersatzreifen auf der Autobahn.

Am Montagabend saß Marseiler mit einer Schiene im Gips im Trainingszentrum, umgeben von Physiotherapeuten und Quietscheenten zur Motivation. „Ich komme stärker zurück“, postete er auf Instagram – 14.000 Likes nach zehn Minuten. Die Botschaft ist klar: Der Glaube ist ungebrochen, selbst wenn das Knie es nicht ist.

Die Saison war für Darmstadt eigentlich ein Selbstläufer. Nun wird sie zur Geduldsprobe. Ohne Marseiler droht der Anschluss zu reißen – und mit ihm der Traum vom Wiederaufstieg. Die Lilien müssen lernen, ohne ihren Turbo zu fliegen. Der Countdown läuft, die Uhr tickt lauter als je zuvor.