Marokko räumt afrika-cup-sieg ab – zwei monate nach dem abpfiff
Die Trophäe flog durch die Umkleidekabine, nicht über den Rasen. Zweieinhalb Monate nach dem vermeintlichen Triumph des Senegal kassiert der Senegal die größte Niederlage seiner Geschichte: Der CAF erklärt Marokko nachträglich zum Champion, wertet das von Tumulten zerrissene Finale 3:0 für den Gastgeber – und lässt Dakar fassungslos zurück.
Der 120. minute, die alles kippte
Es war die 120. Minute des Finales in Casablanca. Ein Elfmeterpfiff für Marokko, ein Tumult, ein halbes Team in der Tunnelrampe. Die Senegalesen protestierten gegen zwei Schiedsrichterentscheidungen, ließen den Platz sturmreif und kehrten erst nach 15 Minuten zurück. Brahim Diaz vergab den Strafstoß, der Senegal gewann in der Verlängerung 1:0 – und feierte, als wäre die Welt in Ordnung.
Doch Marokko legte Einspruch ein. Der Vorwurf: Spielunterbrechung durch den Gegner, Regelverstoß, 3:0-Wertung. Der CAF lehnte zunächst ab, doch die Berufungskommission dreht den Spiess nun um. Mit einem einzigen Satz wird Sportgeschichte korrigiert: „Das Spiel wird mit 3:0 für Marokko gewertet.“

Die zahlen, die den senegal treffen
Für die Löwen von Teranga bedeutet das: Null Titel, stattdessen eine Demütigung, die sich in die Statistik brennt. 25 Millionen Menschen feierten Ende Januar vermeintlich den ersten Afrika-Cup – heute steht ein offizieller Eintrag von 0:3 in den Akten. Die Spieler erfuhren es per WhatsApp, während sie sich in Doha auf die WM-Quali vorbereiten. Keiner nahm den Anruf des Verbandes an.
Der CAF selbst schweigt zu Details. Kein offizielles Protokoll, keine Stellungnahme des Schiedsrichters. Nur ein knappes Communiqué, das die Bomben-Entscheidung auf eine „Verletzung von Artikel 58 der Wettbewerbsordnung“ stützt – jene Klausel, die Spielunterbrechungen durch Mannschaften unter Androhung der Wertung regelt.

Was bleibt, ist ein bitterer nachgeschmack
Die Trophäe wird nicht umgeschrieben, sie wird neu verliehen. Marokko reist am Wochenende nach Paris, wo CAF-Präsident Motsepe persönlich den Pokal überreicht. Brahim Diaz, damals noch der tragische Held, wird als Kapitän die Hände in die Luft reißen – ohne je ein Finale gewonnen zu haben.
Für den Senegal bleibt ein Scherbenhaufen. Die FIFA hat bereits angekündigt, die Vorfälle im Rahmen der Disziplinarverfahren zu prüfen. Sollte der Verband Berufung einlegen, droht ein Rechtsstreit, der bis zur WM 2026 reichen könnte. Die Fans jedenfalls haben schon ihren neuen Hashtag: #3NullBetrug. Die Wunden werden nicht so schnell heilen.
Am Ende gewinnt nicht, wer Tore schießt, sondern wer den besseren Anwalt hat. Marokko feiert, der Senegal erstarrt – und der Afrika-Cup 2025 bleibt für alle Zeiten der Cup, der zwei Endspiele hatte. Ein Sieg auf dem Platz, einer auf dem Papier. Nur die Wahrheit liegt irgendwo in der Kabine, durch die niemand mehr geht.
