Marchand sprintet nach schlaganfall ins halbfinale – paralympics erleben debüt der ruderin

Kathrin Marchand ist keine Unbekannte im ÖSV-Zirkel, doch auf Schnee war die 35-Jährige bislang ein Phantom. Bei ihrem ersten Para-Winterspiel schlug sie binnen 3:11 Minuten auf. Rang drei im Quali-Sprint der Stehenden – direkt hinter der Schweizer Kalin, vor der Ukrainerjaerin. Das reicht fürs Semifinale, reicht für den ersten deutschen Medaillenkandidaten in Pyeongchang. Die Langläuferin von der Ruhr, die vor fünf Jahren einen Schlaganfall überlebte, lachte nach dem Ziel nur: „Endlich darf ich wieder angreifen.“

Die sitz-klasse liefert ein viertel-duo

Während Marchand ihre Premiere feierte, sortierten sich die Routiniers um Andrea Eskau neu. Die 51-jährige Thüringerin, seit Sydney 2000 fester Bestandteil des Teams, musste sich mit Platz sieben begnügen, rettet sich aber ebenfalls ins Halbfinale. Anja Wicker war schneller – Viertplatzierter, nur 0,4 Sekunden hinter der Führenden. Merle Menje blieb unter den Erwartungen, kam als 15. ins Ziel und schied aus. Die Bilanz: zwei Deutsche im Semifinale, ein Ausrufezeichen, ein Fragezeichen.

Bei den Sehbehinderten lieferten Leonie Walter und Guide Christian Krasman den nächsten Paukenschlag. Dritter Rang, keine Sekunde zögerlich. Linn Kazmaier folgte als Vierte, während Johanna Recktenwald auf ihren Start verzichtete – angeschlagen, aber mit Bronze im Gepäck. „Wir haben heute gelernt, dass man auch mit Handicap Vollgas geben kann“, sagte Krasman trocken.

Marburger trotz infekt mit bestzeit

Marburger trotz infekt mit bestzeit

Bei den Männern schraubte sich Sebastian Marburger trotz grippalem Infekt in die Bestzeit des Tages. 2:54 Minuten, 0,7 Sekunden Vorsprung – mehr Ausrufezeichen geht nicht. Die Kaderärzte hatten ihm noch kurz vor dem Rennen Fieber gemessen, Marberger lachte es weg: „Wenn der Körper streikt, muss der Kopf eben stärker sein.“ Alexander Ehler und Maximilian Weidner verpassten das Halbfinale knapp, bleiben aber als Fahrer für die Staffel im Rennen.

Die deutsche Delegation reist mit fünf Halbfinaleinzügen in die Nacht – neue Bestmarke seit Salt Lake 2002. Marchand blickt schon weiter: „Morgen zählt nur die Medaille, nicht die Geschichte.“ Die Geschichte spricht trotzdem für sich.