Marathon ab 2030 aus dem wm-programm: world athletics gründet eigenes straßenweltmeisterschaft

Sebastian Coe schafft sich ab. Der Präsident von World Athletics trennt ab 2030 das, was zusammen gehörte: Der Marathon verlässt die Leichtathletik-WM und bekommt sein eigenes Straßen-World Cup, das jährlich abwechselnd Männer und Frauen auf die 42,195 km schickt. Die letzten gemeinsamen Starttickets gelten 2027 und 2029, dann ist Schluss mit der Doppelbelastung für Austragungsstädte.

Athen steht bereits parat. Die SEGAS, die griechische Leichtathletik-Föderation, hat mit der Region Attika eine strategische Allianz geschlossen. Sie will den klassischen Marathonlauf von Marathons nach Athen auf Elite-Label heben und 2030 die erste unabhängige WM ausrichten. Coe klingt, als hätte er schon unterschrieben: „Wir freuen uns, die Möglichkeit zu prüfen, eine eigenständige Marathon-Weltmeisterschaft genau dort zu veranstalten, wo diese Disziplin geboren wurde.“

Ein milliardengrab mit 2.500 jahren geschichte

Der Deal kommt nicht günstig. Ein mehrjähriger Investitionsplan soll den historischen, olympischen Originalkurs sanieren – Asphalt statt Staub, 5-G-Zellen statt Olivenbäume. Dabei bleibt die Frage offen, wer die Rechnung bezahlt. Die International Association of Athletics Federations (IAAF) schweigt zu konkreten Zahlen, doch Experten schätzen die Infrastrukturkosten allein für TV-Übertragung, Sicherheit und Zuschauerränge auf rund 80 Millionen Euro.

Die Logik dahinter: ein eigenes Straßen-Event lockt Sponsor:innen, die bisher die Kombi mit Stadiondisziplinen als unattraktiv empfanden. Laufsport boomt, TV-Quoten steigen, aber die Zahl der Stunden, die ein Zuschauer in Helsinki oder Budapest für Marathon, Gehen und Straßenlauf opfert, sinkt. Coe setzt auf Spezialisierung statt Breitensport.

Was das für die athlet:innen bedeutet

Was das für die athlet:innen bedeutet

Kenias Trainingslager brodeln. Eliud Kipchoge wird 2030 46 Jahre alt, könnte aber als Markenbotschafter Startnummer eins erhalten. Für die Läufer bedeutet die Trennung mehr Startgeld – und mehr Druck. Wer bei der Straßen-WM dabei ist, verpasst möglicherweise die Stadion-WM ein Jahr später. Doppelbelastung ade, dafür verdichtet sich der international Kalender: Jedes Jahr entweder Marathons oder Straßen-Staffel, 20 km Gehen, 35 km Gehen.

Deutsche Verhältnisse bleiben kompliziert. Der Deutsche Leichtathletik-Verband muss künftig zwei Qualifikationsstandards füttern. Ohne Marathon in der Leichtathletik-WM droht Olympia-Plätzen die mediale Abwärtsspirale. „Wir verlieren eine Bühne, gewinnen aber eine neue“, sagt ein Bundestrainer, der anonym bleiben will. „Nur wer zahlt, darf auf die Straße.“

Die Uhr tickt. 2030 klingt weit weg, doch die Planungszeit für Städte beträgt mindestens fünf Jahre. Wer 2025 nicht die Hand hebt, schaut 2030 in die Röhre. Und Athen? Die Stadt ringt mit Schulden, der Tourismus braucht neue Signale. Ein Marathon-WM könnte die Rettung sein – oder das nächste Projekt, das im Mythos versinkt.