Mannheim kehrt nach elf jahren in den spengler cup zurück – kanada bleibt erstmals seit 1984 draußen

Die Adler Mannheim fliegen wieder nach Davos. Elf Jahre hat es gedauert, bis das traditionsreichste europäische Eishockey-Turnier den DEL-Vizemeister wieder auf die Gästeliste setzte. Vom 26. bis 31. Dezember trifft Matthias Binder’s Truppe in den Alpen auf Frölunda, die US-Collegians, die SCL Tigers und den Gastgeber HC Davos – einen Sechsten sucht der Veranstalter gerade noch aus.

Kanada fehlt erstmals seit vierzig jahren

Das größte Ausrufezeichen steht aber nicht auf dem Eis, sondern auf dem Papier: Team Kanada wird erstmals seit 1984 nicht dabei sein. Die Verhandlungen über eine weitere Zusammenarbeit platzten wenige Tage vor der offiziellen Bekanntgabe. Für viele Fans ist das ein kleiner Schock – das kanadische All-Star-Team war seit Jahrzehnten das Herzstück des Turniers. Stattdessen rückt nun eben ein deutscher Club nach, und das gleich zweimal hintereinander: 2024 hatten die Straubing Tigers das Finale erreicht, 2026 sind die Adler dran.

Binder spricht von einer „großen Ehre“, doch hinter den Kulissen wusste man schon länger, dass die Einladung kommt. Die Adler haben in den vergangenen Monagen ihre internationale Marke gepflegt, Testspiele in Skandinavien und Nordamerika ausgetragen und dabei gezeigt: Mannheim kann mehr als nur DEL. Die Rechnung geht auf. Die Organisatoren in Davos suchten einen deutschsprachigen Kontrast zum fehlenden Kanada-Blockbuster – und fanden ihn in der SAP-Arena-Mannschaft.

Was auf dem eis wirklich zählt

Was auf dem eis wirklich zählt

Die Gruppe ist alles andere als ein Geschenk. Frölunda HC kommt als Champions-Hockey-League-Sieger mit einer gewohnt aggressiven Schweden-Identität, die US Collegiate Selects bringen das Tempo der NCAA mit und die SCL Tigers kennen das höhenfrische Davos-Eis wie ihre Hosentasche. Dazu der amtierende Champion HC Davos, der vor eigenem Publikum seine Titelverteidigung startet. Die Adler müssen ihre Defensive finden, ohne das typische DEL-Forechecking zu verlieren – ein Spagat, der selbst erfahrene Trainer ins Schwitzen bringt.

Die letzte Teilnahme 2015 endete für Mannheim mit einem 3:5 im Viertelfinale gegen eben jene Tigers. Diesmal will das Management weiter, mindestens Halbfinale, das lautet die interne Vorgabe. Die Spieler haben sich schon in der Kabine verpflichtet, zwischen den Jahren keine Weihnachts-Extra-Runden zu drehen. Wer in Davos vorzeitig ausscheidet, verliert nicht nur das Turnier, sondern auch wertvolle Wettkampfpraxis mitten in der Saison.

Für die DEL selbst ist der erneute deutsche Auftritt ein Signal. Nach dem Ausscheiden der Olympia-Qualifikation und dem verpatzten Weltmeisterschafts-Auftakt der Nationalmannnung nutzen Clubs wie Mannheim die Bühne, um zu zeigen: Deutsches Eishockey kann international mithalten – wenn es die richtige Bühne bekommt. Die Quote spricht Bände: Neun Teilnahmen, zwei Titel, immerhin vier Finals seit 1984. Die Adler wollen die Statistik jetzt wieder auf Vordermann bringen.

Der Countdown läuft. Noch 233 Tage bis zum ersten Bully in der Vaillant Arena. Dann wird klar, ob die lange Wartezeit für die Adler-Fans nur eine Fußnote bleibt – oder der Beginn einer neuen Davos-Historie.