Makinwa packt aus: so verlor lazio einen stürmer und warum er heute nicht mehr ins olympico darf
Stephen Makinwa spricht erstmals offen über den Tag, an dem Lazio ihm die Knie-OP verweigerte, über Präsident Lotito, der nie einen Euro zurückzahlte, und über Pfeifkonzerte, die ihn bis heute vom Stadio Olimpico fernhalten.
Von lagos nach rom – und wieder zurück
17 war er, als Franco Dal Cin ihn 2000 nach Reggio Emilia lotsste. 32 war er, als er erkannte: Als Spieler hat Italien ihn nie richtig durchgelassen, also wird er eben Agent. Makinwa sitzt in einem Café in Trastevere, bestellt Espresso Nummer drei und erzählt, wie er in Como plötzlich Genoa-Spieler war, ohne je die Hafenstadt gesehen zu haben. „Der Präsident verkaufte mich an sich selbst“, lacht er, „nur dass ich in der Provinz blieb.“
Die Karriere liest sich wie ein Katalog kurioser Nebenschauplätze: Conegliano, Como, Modena, Atalanta – überall blitzte die Athletik des Sprinters auf (10,3 s über 100 m), nirgends blieb er lange. Der Durchbruch gelang in Bergamo: Ein Fanbanner forderte „Makinwa sindaco“. Er antwortete mit einer Capriole, der Stadionchor mit einem zweiten Banner. Palermo holte ihn für 3,8 Millionen Euro, um ihn als Ersatz für Luca Toni in Szene zu setzen. Dort teilte er sich die Kabine mit Zaccardo, Barzagli, Grosso – spätere Weltmeister, die damals noch um Aufstieg kämpften.

Lazio: der verpatzte höhepunkt
2006, Makinwa ist 24, zieht Rom in den Bann. Lazio leiht ihn aus, will ihn fest verpflichten, doch dann rissen die Bänder. Ein Arzt verlangt 30 000 Euro für die Gelenk-Reinigung. „Wer zahlt?“, fragt der Klub. „Antizipieren Sie, der Präsident erstattet es“, sagt Lotito am Telefon. Makinwa legte vor, sah nie einen Cent. „Theoretisch war das mein Zenit, praktisch war es ein Knick.“
Die Römer pfeiften ihn bei der Vorstellung aus, weil sie einen anderen Stürmer wollten. „Schwerer als in Conegliano, wo Autotüren zugeschlossen wurden, wenn ich vorbeilief. Schwerer als die Beleidigung von Aronica. Der Club hätte mich schützen können, tat es nicht.“ Noch heut passiert er das Olympico mit einem Bogen. „Ich bin kein Feind, aber die Stimmen sind im Ohr geblieben.“

Agent mit erfahrungsvorsprung
2014 beendete er in Slowenien die Laufbahn, gründete eine Agentur mit Sitz in Lagos und Rom. 40 Klienten zählt er, 80 Prozent aus Nigeria. „Ich weiß, wie sich ein Junge fühlt, der ohne Erklärung von Como nach Modena versetzt wird. Ich erkläre.“ Makinwa finanziert Testcamps, schickt Videos an Seria-A-Scouts, verlangt keine Vorauszahlung. „Wenn ein Spieler durchrutscht, verdiene ich mit ihm. Vorher zahle ich.“
Sein größter Transfer bisher: David Okereke zu Club Brügge für 5,5 Millionen Euro. „Kleiner Brocken im Vergleich zu den 40 Millionen, die Makinwa selbst kostete, wenn man alle Klubs addiert“, schmunzelt er. Die Capriole hat er abgelegt, die Sprache nicht. „Sport verbindet, aber nur, wenn wir ehrlich sind. Lotito war nicht ehrlich, deshalb bin ich heute ehrlicher als er.“
