Mainz vor europa-kracher: fischer schweigt zu amiri, fans sollen rauschen

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – Es ist der Tag vor dem größten Abend der noch jungen Mainzer Europageschichte, und Urs Fischer presst die Lippen zusammen. „Wenn er auf der Bank sitzt, kann er spielen“, sagt der Trainer des FSV Mainz 05 über Nadiem amiri, mehr nicht. Kein Wort, ob die Fersenreizung des Regisseurs nach 40 Tagen Pause endgültig abgeheilt ist. Kein Hinweis, ob die Nummer 11 selbst gegen Racing Straßburg von Beginn an den Takt vorgibt. Schweigen als Taktik, 24 Stunden vor dem ersten europäischen Viertelfinale, den die Nullfünfer je bestreiten.

Strasbourg ist kein wunschgegner

Die Ligue-1-Achtbe kommt mit zehn Pflichtspielen ohne Niederlage nach Mombach. „Wenn sie Raum bekommen, wirst du Mühe haben“, warnt Fischer und wischt sich dabei eine imaginäre Haarsträhne aus der Stirn. Er kennt die Videos: Habib Diallo und Abdulhamid Sabiri haben in der Gruppenphase sieben Torbeteiligungen geliefert, das Mittelfeld um Diego Moreira erlaubt sich nur 0,8 Ballverlusten pro Spiel – Spitzenwert im Feld der letzten 32.

Mainz kontert mit eigener Serie: acht Spiele ohne Pleite, vier Siege am Stück, 13 Tore in diesen Partien. Die Tabelle der Bundesliga haben die Rheinhessen seit dem 18. Spieltag um neun Plätze nach oben gezogen. Die Chemie stimmt, die Kräfte auch. „Wir haben den Luxus, nicht mehr nur nach unten zu schielen“, sagt Silvan Widmer. Der Kapitän trainierte diese Woche mit Schoner an der Wade, machte aber alle Einheiten durch. Auch er wird zum Rätsel, mit dem Fischer Straßburgs Coach Patrick Vieira köpfen will.

Zwölfter mann soll geschichte schreiben

Zwölfter mann soll geschichte schreiben

25.700 Karten sind weg, das Stadion wird kochen. „Der zwölfte Mann hat uns schon die ganze Zeit getragen“, betont Fischer. Gegen FK Qarabag sorgte die Mauer im Kopfballduell für zwei entscheidende Blocks, gegen Sturm Graz ließ sie den Gegner in der Nachspielzeit den Ball verlieren. Jetzt fordert der Schweizer „noch eine Schippe drauf“. Seine Spieler sprechen vom „wallenden roten Tuch“, das Gegner in den letzten zehn Minuten ersticken lässt. Die Statistik gibt ihnen recht: In der zweiten Hälfte kassierte Mainz in dieser Conference-League-Saison erst einen Gegentreffer.

amiri selbst schritt am Mittwoch ins Training, zog Sprint um Sprint, ließ sich anschließend fünf Minuten Eisbehandlung geben. Ob das reicht? „Er ist ein Kämpfer, aber wir werden keine Risiken eingehen“, sagt Fischer und schließt die Pressekonferenz mit einem Satz, der wie ein Motto klingt: „Wer Geschichte schreiben will, muss bereit sein, Schmerz zu ignorieren.“

Um 21.00 Urt geht’s los. Dann wissen wir, wer auf der Bank saß – und wer auf dem Platz Geschichte wurde.