Mailänder tram springt erneut: dritter entgleisungsschock in zehn tagen

Um 6.15 Uhr, als Rozzano noch schlief, riss ein „Sirietto“-Wagen der Linie 15 die Ruhe. Nur das zweite Segment sprang, doch das reichte, um die Alarmglocken der Stadt zu läuten.

Ein rad, ein block, ein ruck – und schon wieder steht mailand still

Ein rad, ein block, ein ruck – und schon wieder steht mailand still

Die Ursache ist noch nicht einmal benannt, die Folgen aber klar: provisorischer Busbetrieb zwischen Abbiategrasso und Rozzano, ein Einsatzstab von ATM-Ingenieuren, der wie bei einem Kreuzverhör Asphalt und Schienen analysiert – und vor allem ein Déjà-vt-Effekt, der niemandem schmeckt. Denn seit dem 27. Februar zählt die Metropole der Mode nicht mehr Modenschauen, sondern Entgleisungen.

Der erste Crash war dramatisch: Viale Vittorio Veneto, zwei Tote, über 50 Verletzte, ein Tramlink gegen Hausfassade. Der zweite Vorfall folgte am Samstag – ein Leerfahrzeug knickte bei der Kurve Galvani/Filzi ein, wegen eines losem Schienenbolzens. Jetzt also Nummer drei, und die Geschwindigkeit war diesmal das Glück der Fahrgäste. Langsam rollte der Zug nach einem Signalhalt an, als das Hinterrad rechts blockierte und das Segment seitlich wegrutschte. Keiner musste ins Krankenhaus, aber die Nerven liegen blank.

Was steckt dahinter? ATM spricht von „Verlust des Rad-Schiene-Kontakts“, kein klassisches Entgleisen. Techniker vermuten ein Fremdkörper oder einen mechanischen Klemmfall. Fakt ist: Die Kontrollsoftware meldete keine Voralarm. Das wirft Fragen auf über Wartungsintervalle und Ersatzteilstrategien, die laut Insider schon seit Monaten unter Kostendruck stehen.

Für Pendler heißt es wieder Umsteigen, für die Verkehrsbehörde heißt es Schulterzucken ablegen. Bürgermeister Sala versprach nach dem Unfall mit Toten „konsequente Aufklärung“. Drei Vorfälle später wartet die Stadt auf Antworten, nicht auf Ankündigungen.

Mailand will 2026 mit der Winter-WM glänzen. Stattdienen sorgen seine Straßenbahnen derzeit für Schlagzeilen, die niemand bestellt hat. Die Zahlen sind schonungslos: drei Entgleisungen, ein Toter pro Woche im Schnitt, null Sanktionen. Wer hier noch von Pech spricht, ignoriert ein System, das am Rad dreht – und eben daran scheitert.