Maier schläft sich zum vierten gesamtweltcup – und feiert die wildeste revanche
14. März 2004, 14.47 Uhr: Hermann Maier döst auf der Couch, als sein Handy klingelt. „Riesenslalom abgesagt“, sagt die Stimme am anderen Ende. Sekunden später ist klar: Der Herminator ist wieder ganz oben – und diesmal hat er es im Schlaf geschafft.
Die 42 punkte, die ein ganzes leben wiegen
1265:42 – so lautet die Zahlensymphonie, mit der Maier seinen vierten Gesamtweltcup sichert. 1265 eigene Punkte, 42 Vorsprung auf Stephan Eberharter. Doch die wahre Differenz misst sich nicht in Zählern, sondern in den 923 Tagen seit jenen Augustnachmittag 2001, als ein entgegenkommender Autoversicherer den Motorradlenker Maier in zwei Schienbeine zersplittern ließ. Amputation stand im Raum, Karriereende auch. Stattdessen: Stahlplatten, acht Operationen, unzählige Stunden auf dem Antigravity-Laufband – und jetzt dieser Nachmittag im italienischen Sestriere, an dem das Rennen ausfällt, der Gegner aber nicht.
Benjamin Raich, damals der Jäger, kann nur noch zuschauen. „Ich lag gerade ein bisschen rum“, sagt Maier später in die Kameras, und man spürt, wie sehr ihn diese Faulheit am Siegerpodest auskostet. „Dieser Sieg ist mindestens so viel wert wie Gold von Nagano“, wirft er noch hinterher. Gemeint ist der Olympia-Crash von 1998, jener Flug durch die Netzgitter, den die Welt als Symbol für Maier-Immortalität feiert. Jetzt, sechs Jahre danach, liefert er die Fortsetzung: ein Triumph, der keine Abfahrt braucht.

Die maschine kehrt zurück – und zieht alle mit
Die Saison 2003/04 war ohnehin schon ein Denkmal: fünf Weltcupsiege, drei zweite Plätze, nur zweimal außerhalb des Podests. Doch die Statistik erzählt nur die Hälfte. Die andere steht im Inneren des Beins, wo Titan auf Knochen trifft und jeder Schwung ein kleines Miracle on Snow bleibt. „Ich bin nicht wieder der Alte“, sagte Maier einmal, „ich bin ein Neuer.“ Der Neue holt sich den Pokal, den Alten hätte der Sturz vielleicht sogar robuster gemacht.
Ein Jahr später folgt in Bormio die Gold-Medaille im Riesenslalom, doch der Gesamtweltcup bleibt die Visitenkarte. Denn er beweist: Wer einmal die Spitze der Welt verlässt, kann trotzdem wieder ganz nach vorne fahren – selbst wenn er dafür nur ein Nickerchen braucht.
