Magdeburg wirft sportchef raus – schork geht, rettung rückt näher
Der 1. FC Magdeburg zieht die Notbremse. Am Montag flog Sport-Geschäftsführer Otmar Schork nach nur eineinhalb Jahren raus – wegen „Fehlern“, wie er selbst eingesteht, und weil der Vorletzte der 2. Liga jeden Impuls braucht, um den Klassenerhalt doch noch zu schaffen.
„Einvernehmlich“ – das wort, das niemand glaubt
Der Klub sprach von einer „einvernehmlichen“ Trennung. Intern sickerte durch: Die Spieler hatten Schork zuletzt als überfordert wahrgenommen, die Kreide zwischen Präsidium und Trainerstab war seit Wochen dick. Der 68-Jährige hatte im November 2020 den Posten übernommen, als Magdeburg gerade aus der 3. Liga aufgestiegen war. Seitdem pendelte der Club zwischen Aufbruch und Abstiegsangst. Diese Saison schwappt die Angst über – 28 Punkte nach 27 Spielen, nur zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz.
Schork reagierte mit Selbstkritik: „Die bisherige Saison verlief sportlich nicht so, wie wir sie uns vorgestellt haben. So wurden von meiner Seite aus Fehler gemacht. Dafür trage ich die Verantwortung.“ Eine Selbstoffenbarung, die im Profi-Fußball selten ist – und dennoch half sie ihm nicht. Präsident Jörg Biastoch begründete den Schritt lapidar: „Um in der verbleibenden Zeit der Saison alle Kräfte zu bündeln und den Fokus maximal auf den Klassenerhalt zu legen, braucht es jedoch aus unser aller Sicht einen neuen Impuls.“

Geisthardt übernimmt – und die uhr tickt
Vorerst fasst Geschäftsführer Martin Geisthardt die Sport-Themen an. Ein Nachfolger steht nicht in den Startlöchern. Die Frist bis zum 34. Spieltag am 17. Mai ist knapp berechnet: noch sieben Partien, darunter das Sechs-Punkte-Duell beim direkten Konkurrenten Eintracht Braunschweig am 12. April. Intern kursiert der Name von Ex-Profi Stefano Marino, derzeit Sportdirektor bei Hansa Rostock. Doch eine Entscheidung will das Präsidium „zu gegebener Zeit“ treffen – ein Euphemismus für: Wir haben keine Ahnung, wie schnell wir jemanden finden.
Die Fans reagierten gemischt. Auf Twitter forderte ein Ultra-Account: „Lieber ein halbes Jahr Chaos als ein ganzes Jahr Schork.“ Die Stimmung im Stadion am MDCC-Arena wird am Samstag gegen Kiel ein Thermometer: Entweder die Mannschaft spürt den Druck – oder sie nutzt ihn als Katalysator. Die Statistik spricht gegen Magdeburg: Nur zwei Siege aus den letzten zwölf Heimspielen. Die Tordifferenz: 9:19. Zahlen, die ein Kommentar von Christian Schneider nicht beschönigen kann.
Für Schork endet eine Ära, die nie richtig begann. 2021 hatte er Trainer Christian Titz verpflichtet – ein Glücksgriff, der damals den Klassenerhalt sicherte. Doch die folgenden Transferperioden verliefen holprig. Stürmer Barış Atik wechselte für 300.000 Euro, schoss aber nur dreimal. Die Abwehr kostete 1,2 Millionen Euro Ablöse, kassierte dennoch 48 Gegentore. Die Rechnung präsentierte sich am Montag: ein Blatt mit der Überschrift „Trennung“. Wer sie unterschreibt, steht noch offen.
