Magdeburg kassiert k.o. – wiegert fürchtet monate der nachwirkungen
Köln – Ein Siebenmeter-Wirrwarr, zwei Tage Schockstarre, ein Platz drei wie ein Hieb ins Gesicht: Bennet Wiegert trägt die Scharte des Final-Four-Debakels sichtbar mit sich. „Habe ich Sorge? Natürlich“, sagt der Chefcoach des SC Magdeburg, nachdem der Champions-League-Sieger beim 31:35 gegen TBV Lemgo Lippe auch das kleine Finale verspielt hat. Die Niederlage folgt auf das 26:27 im Halbfinale gegen den Außenseiter Bergischer HC – entschieden erst nach 14 verwandelten Siebenmetern. Die Arena bebte, Magdeburg blieb stumm.
Wiegert: „das zieht nicht an einem vorbei“
Der 44-Jährige wirkt wie nach einem Boxkampf: Stimme rau, Augen gerötet, aber klar im Kopf. „Wenn man so ein Wochenende spielt, wird sich das noch Wochen in mir ausleben“, gibt er zu. Der erhoffte Befreiungsschlag durch den dritten Platz blieb aus. Stattdessen nagt der Gedanke, dass die Pleite tiefer sitzen könnte als eine einfache Niederlage. „Das kann die Stabilität einer ganzen Saison erschüttern“, warnt Wiegert. Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Mannschaft die Kurve kriegt – oder ob Köln zum Mental-GAU wird.
Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache: 14 verwandelte Siebenmeter reichen nicht, wenn der Gegner 15 trifft. Und 31 Tore reichen nicht, wenn die Abwehr wie ein Sieb wirkt. Die Magdeburger hatten 58 % Ballbesitz, aber nur 52 % Torquote. Lemgo dagegen nutzte fast jede zweite Chance. Die Statistik lügt nicht – und sie lügt auch nicht darüber, dass Magdeburg in den entscheidenden Momenten die Nerven verlor.

Doppelbelastung: liga-spitze und champions league
Doch es bleibt keine Zeit für Selbstmitleid. In der Bundesliga führt der SCM mit sieben Punkten Vorsprung auf Flensburg. Die Meisterschaft ist greifbar. Und in der Champions League wartet am 29. April das Viertelfinal-Hinspiel gegen Pick Szeged. Ein erneutes Final-Four-Ticket ist das Minimalziel, das Rückspiel steigt eine Woche später. Die Königsklasse kehrt am 13./14. Juni nach Köln zurück – genau dorthin, wo derzeit die Trümmer liegen.
Wiegert greift nach einem Strohhalm: „Wir sind privilegiert, dass wir nicht vier Jahre auf die nächste Chance warten müssen wie Olympia-Athleten“, sagt er. Die enge Taktung könne der Heilsbringer sein. „Aber einfach den Mund abwischen und weitermachen – das ist es nicht.“ Die Worte klingen wie ein Selbstgespräch, das er in den nächsten Tagen immer wieder führen wird.
Der Kader ist jung, der Anspruch riesig. Die Frage ist nicht mehr, ob Magdeburg spielerisch zurückkommt – das kann man trainieren. Die Frage ist, ob die Köpfe wieder frei werden. Denn wenn der SC Magdeburg diese Saison noch etwas gewinnen will, muss er zuerst sich selbst schlagen. Der Gegner ist bereits im eigennen Kopf stationiert.
