Magdeburg gegen berlin: gidsel jagt kristjansson, milosavljev jagt den ball
16:05 Uhr, GETEC Arena – da fliegt nicht nur der Ball, da fliegen auch die Worte. Milosavljev hat sich selbst gefilmt, während er über Kristjansson & Co. spricht, und man sieht ihm an, dass er sich schon jetzt die Finger nach den Magdeburger Aufschlägen leckt. Drei Tage vor dem Knall im Osten steht die Bundesliga kopf: Erster gegen Ersten, Champions-League-Sieger gegen Pokalsieger, SC Magdeburg gegen Füchse Berlin.
Die angst vor dem doppel-gidsel in blau-weiß
„Die haben mit Gisli und Magnusson gleich zwei wie Gidsel“, sagt der Berliner Keeper. Gemeint ist: zwei Weltklassespieler, die sich in 1-gegen-1 wie Warmwasser auflösen. Kristjansson braucht zwei Schritte, dann ist der Kreis schon hinter ihm. Magnusson sogar nur einen. Milosavljev kennt die Statistik: Letzte beiden Duelle, 21 Gegentore aus dem Rückraum, kein einziger gehaltener Siebenmeter. „Wenn wir wieder so starten, brauchen wir keinen Bus nach Hause, wir brauchen einen Krankenwagen“, sagt er halb lachend, halb grummelnd.
Die Lösung heißt 7:1. Berlin wird die Magdeburger Doppelpivot mit einer dicken Stunde Pressing zusetzen, Gidsel rückt in die erste Welle, Petzold klaut die Pässe. Die Devise: Außen abschneiden, Innen zustellen. Denn dort lauert neben den Isländern auch Frick, der aus 14 Metern auf 112 km/h beschleunigt. „Wenn du da zögerst, bist du halb tot“, sagt Bundestrakter Gislason, der zwischen den beiden besten Teams der Liga mittlerweile nur noch ein Klammerkärtchen braucht.

Sechs punkte, ein sieg, null vorwarnung
Magdeburg führt mit 48 Zählern, Berlin folgt mit 42. Bei einem Erfolg wären es vier Zähler Rückstand – bei noch sieben Spieltagen ein Sechspunkte-Spiel, das die Meisterfrage neu entzündet. „Wir wollen nicht nur Flensburg überholen, wir wollen auch beweisen, dass man in dieser Liga nicht nur Punkte sammelt, sondern auch Seelen klaut“, sagt Wiegert, dessen Team seit 23 Heimspielen ungeschlagen ist. Die letzte Niederlage: vor 399 Tagen – gegen Berlin.
Für Gidsel ist es die Rückkehr an die Stelle, an der er vor zwei Jahren sein erstes Bundesliga-Hattrick feierte. „Ich schaue mir die Videos noch an, wenn ich schlafen kann“, sagt er grinsend. Dabei hat er in dieser Saison schon 112 Tore geworfen, mehr als jeder andere Rechtsaußen der Liga. Aber die Magdeburger Weber und Behrens haben zusammen 114. „Das ist kein Duell Gidsel gegen Magdeburg, das ist ein Duell Geschwindigkeit gegen Komplex“, sagt Co-Trainer Dr. Bähr.
Um 16:05 Uhr ist Anpfiff, um 16:07 Uhr ist die Arena am Kochen. Dann entscheidet sich, ob Milosavljev endlich den Ball kriegt – oder ob Magdeburg weiter die Liga beherrscht. Die Wette: Es wird kein Unentschieden geben. Denn bei diesem Ritt auf Rasanz und Raffinesse zählt nur Schwarz oder Weiß, nicht Grau. Und am Ende steht eine Zahl, die lautet: Meisterschaft.
