Magaths wolfsburg schockierte bayern: ein tag, der eine ära beendete
Vor 17 Jahren erlebte der deutsche Fußball einen Moment, der in die Annalen einging: Der VfL Wolfsburg, unter der rigorosen Führung von Felix Magath, demütigte den FC Bayern München mit einem 5:1 und leitete damit das Ende der Jürgen-Klinsmann-Ära ein. Ein Spiel, das heute wie ein Fiebertraum wirkt, war damals bittere Realität und markiert einen Wendepunkt in der Bundesliga-Geschichte.
Die ausgangslage: zwei giganten im duell
Es war der 4. April 2009, ein Tag, an dem Wolfsburg und Bayern punktgleich hinter Hertha BSC lauerten. Die Saison war verrückt, geprägt von unerwarteten Wendungen und dem Aufstieg des VfL unter Magath. Die kicker-Leser sahen das damals so: 43,9 Prozent glaubten an einen Wolfsburger Sieg, nur 36,5 Prozent an die Bayern. Magaths Wölfe waren die Rückrunda-Dominatoren, eine Sieben-Spiele-Serie untermauerte ihren Aufstieg. Bayern hingegen, unter Klinsmanns Führung, kämpfte mit Zweifeln und fehlender Konstanz. Der „Sommermärchen“-Architekt, der seinen ersten Cheftrainerjob bei den Bayern erhalten hatte, versuchte verzweifelt, seine Spieler zu Höchstleistungen zu motivieren – mit wenig Erfolg.
Klinsmanns Ziel, jeden Spieler jeden Tag ein bisschen besser zu machen, blieb unerfüllt. Nach neun Monaten in München wartete man vergeblich auf sichtbare Fortschritte. Die Titelträume schmolzen dahin, ein Jahr ohne Titel drohte im Bayern-Kosmos – ein Unding.

Das spiel, das alles veränderte
Das Spitzenspiel am 26. Spieltag wurde zu einer Zäsur. Wolfsburg entfesselte einen Angriff nach dem anderen, obwohl das Spiel zunächst gemächlich begann. Christian Gentner brachte die Wölfe in der 44. Minute in Führung, Luca Toni glich kurz darauf für die Bayern aus. Doch dann folgte das Bayern-Desaster: Edin Dzeko (63., 66.) und Grafite (74., 77.) schlugen zu, die Abwehr wirkte wie gelähmt. Das 5:1, Grafites Hackentrick, wurde zum Symbol für den Machtwechsel im deutschen Fußball.
Grafite, der Name hallte noch Jahre später wider. Er nahm den Ball 35 Meter vor dem Tor an und ließ ihn nicht mehr los. Er umkurvte Ottl, Breno, Rensing und Lahm, schaffte es, sich in eine vermeintlich ungünstige Position zu bringen, und vollendete dann auf brasilianische Art und Weise: Ein Hackentrick, der die Welt gefesselte.
Die Münchner Abendzeitung schrieb: „Die nächsten Ausgaben von Tor der Woche, Tor des Monats und Tor des Jahres werden langweilig. Der Gewinner wird stets Grafite heißen.“ Und sie behielt Recht. Der Treffer wurde zum Tor des Jahres gekürt, Grafite zum Fußballer des Jahres 2009.

Magaths triumph und klinsmanns fall
Magath wechselte eine Minute vor Schluss André Lenz ein – eine Geste, die von manchen als respektlos interpretiert wurde. Er hatte Lenz einen Einsatz bei „passender Gelegenheit“ versprochen und wollte den Trainingsfleiß belohnen. Ob er damit auch eine späte Rache für seine eigene Entlassung bei Bayern 2007 üben wollte, blieb Spekulation. Der Bayern-Kapitän Mark van Bommel äußerte sich empört: „Ich finde das respektlos.“
Für Jürgen Klinsmann war das Spiel das Aus. Er richtete seinen Zorn auf seine Spieler: „Ich habe zehn Monate den Kopf hingehalten, jetzt sind die Spieler dran.“ Hans-Jörg Butt ersetzte den enttäuschten Michael Rensing im Tor. Der Versuch, Rensing als Nachfolger von Oliver Kahn zu etablieren, scheiterte.
Wolfsburg, nach der Hinrunde noch Neunter, übernahm mit diesem Sieg erstmals die Tabellenführung. Magath erklärte: „Wer gegen Bayern so gewinnt, wird automatisch Titelfavorit.“ Und tatsächlich wurde der VfL im Mai 2009 Deutscher Meister. Ein Sieg, der das Fundament für eine neue Ära im deutschen Fußball legte und die Karriere eines Trainers für immer prägte.
