Mads pedersen: vom krankenbett zurück an die spitze – roubaix wartet auf sein comeback
Mads Pedersen räumt die Klinik aus, schmeißt die Krücke weg und stampft direkt ins Favoritenkreis der „Hölle des Nordens“. Flandern-Rundfahrt, Platz fünf – mit gebrochenem Schlüsselbein im Rückspiegel. Jetzt droht Paris-Roubaix 2026, am Sonntag, dem Attentäter in Lycra eine Rechnung zu präsentieren.
Voigts prognose: podestplatz „so gut wie sicher“
Jens Voigt lacht sein Zahnrad-Lachen, schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch im Eurosport-Studio und sagt den Satz, den kein Trek-Fan ungelesen lassen kann: „Mads hat eine unglaublich steile Formkurve.“ Der ehemalige Kampfradler wittert Blut. Drei Top-3-Platzierungen in den letzten drei Roubaix-Ausgaben sprechen seine Sprache. Voigt rechnet diesmal mit Platz drei „mindestens“, sollten Pogacar und van der Poel auch nur eine Schippe Kreide verspeisen.
Pedersen selbst spricht lieber Tacheles. „Wenn ich nicht glauben würde, dass es für den Sieg reicht, würde ich daheim auf dem Sofa sitzen.“ Die Verletzung? Vergessen, aber nicht ungeschrieben. Noch fehlen ihm nach eigenem Geständnis fünf, sechs Prozent. Die holt er sich aus Wut, nicht aus Trainingsplänen. Mailand-Sanremo, Rang vier, war die Warnung. Flandern, Rang fünf, der Beweis. Roubaix soll die Rache werden.

Roubaix-drama: jeder kann stürzen – sogar pogacar
Die Arena ist berüchtigt für ihr Chaos. Kopfsteinpflaster, Stahlplatten, Spalten, die Speichen zerfressen. Voigt erinnert sich mit schmerzender Stimme: „Letztes Jahr ist sogar Pogacar gefallen, obwohl sie nur zu zweit vorne fuhren.“ Pedersen selbst schlitterte 2025 bei seiner Attacke über ein lose Steinstück, rutschte zurück, kämpfte sich noch aufs Podest. Die Rechnung ohne Defekt hätte ihn womöglich zum Sieg getragen.
Diese Unberechenbarkeit macht Roubaix zum Glücksspiel und zum Goldfieber. Selbst ein Wout van Aert oder Filippo Ganna kann plötzlich die Favoritenrolle übernehmen, wenn Pogacar und van der Poel nur eine Radspur neben der idealen Linie treffen. Die Buchmacher nennen Pedersen Außenseiter – ein Begriff, den der Däne längst zu Unrecht fand.
Die Logik ist denkbar simpel: Wer nach Handgelenks- und Schlüsselbeinbruch innerhalb von sechs Wochen zwei Top-Fünf-Platzierungen in Monumenten schafft, der spielt nicht mit – der bestimmt das Tempo. Und sollte der Himmel über Nordfrankreich am Sonntag noch einmal so tief hängen wie 2025, wenn der Regen die Pflasterfugen zu Gleitbahnen macht, dann schlägt eben der Geschmeidige den Schnellen. Pedersen ist dieser Typ.
105 Kilometer Kopfstein, 29 Sektorhölle, ein Zielgerade im Velodrom. Dreimal stand er dort schon auf dem Podest. Das vierte Mal könnte die Trophäe seinen Namen tragen. Roubaix ehrt keine Halbgötter, es ehrt Durchhaltevermögen. Und das hat der Mann aus Trek-Lycra gerade im Übermaß wiederentdeckt.
