Luke littler will promi-dasein abschütteln und taylors ewige krone klauen
Luke Littler hat den
Nerv der Öffentlichkeit getroffen, aber den Reiz des Ruhms verspürt er kaum. „Ich bin kein Promi, ich bin ein Dartspieler“, sagt der 19-Jährige, während er mit zwei WM-Pokalen im Schrank bereits den nächsten Angriff auf Phil Taylor plant.Die 3323-tage-marke steht auf seiner inneren visitenkarte
Die Zahl klebt fest im Kopf des Teenagers: 3323 Tage hielt The Power die Weltrangliste gefesselt – neun Jahre, ein Monat, fünf Tage. Littler blickte auf die Tabelle, rechnete, schluckte. „Das ist mein eigentliches Ziel“, sagt er, „nicht Selfies, nicht TikTok, nur diese Dauer Nummer eins zu bleiben.“ Sein Vorsprung wächst seit dem Januar, als er im Alexandra Palace seine zweite WM-Krone holte und die Konkurrenz auf Abstand schob. Die Jagd läuft bereits: 312 Tage steht er oben, ein Tropfen im Vergleich zu Taylors Ozean.
Die Nebenkriegsschauplätze nerven. Sponsorentreffen, Fototermine, Talkshow-Einladungen – Pflichttermine, die ihm Spielzeit stehlen. „Jede Stunde vor einer Kamera ist eine Stunde weniger auf der Practice-Board“, hadert der Engländer. Die Lösung ist simpel: Er reduziert, sagt ab, konzentriert sich. Wer ihn kennt, weiß: Wenn Littler „lästig“ sagt, meint er „Gift für die 180-Schiene“.

16 Weltmeistertitel klingt verrückt – bis man sein alter bedenkt
Taylors 16 Weltmeistertitel galten als unantastbar, ein Monument aus granitener Zahlen. Dann kam ein Jugendlicher aus Warrington, der mit 17 schon das Finale spielte und mit 19 zweimal gewann. „Klingt irre, ist aber nur Mathe“, sagt Littler trocken. „Ich plane mindestens 15 weitere Anläufe, vielleicht 20. Wenn ich drei, vier davon gewinne, bin ich nah dran.“ Die Rechnung: fit bleiben, Arm locker, Ego klein, Pfeile scharf.
Die Konkurrenz spürt den Druck. Michael van Gerwen hielt zwar sieben Jahre durchgehend die Spitze, schaffte aber „nur“ drei WM-Titel in dieser Phase. Littler will beides: Dauer-Nummer-eins und die ganz großen Trophäen. „Jeden Monat ein Major wäre okay“, sagt er mit verschmitztem Grinsen, „dann hätte ich in fünf Jahren zehn Stück und Taylor im Blick.“
Die Fans lieben das unverblümte Tempo, die Arena tobt, die Quote steigt. Doch hinter der Show liegt ein Arbeitstier, das nachts noch die Count-Down-App öffnet und die Tage bis zur Weltmeisterschaft runterzählt – nicht aus Hysterie, sondern aus klarer Absicht. 3323 minus 312, das macht 3011 Tage Vorsprung für die Legende. Für Littler ist das kein Denkmal, sondern eine Startlinie.
Wenn er am Board steht, verflüchtigt sich das Promi-Genöle. Dann bleibt nur ein Junge, der Pfeile wirft und eine Zahl jagt, die größer ist als jedes Selfie. Die Uhr läuft. Taylors Rekord wartet. Und Littler hat gerade erst warmgelegt.
