Luca schuler blickt zurück: „ich war stürmer nummer drei – in ihren köpfen“
Zwei Minuten und 22 Sekunden reichen, um zu verstehen, warum Luca Schuler nicht nur Tore schießt, sondern auch Tische baut. Im Gespräch mit dem rbb gibt der 27-Jährige einen Einblick, der selbst in der profitorientierten Zweiten Liga selten ist: Er kennt den Geruch von Sägespäne, die Kälte auf Berliner Dachterrassen im Winter – und das Gefühl, als „Option Nummer drei“ gehandelt zu werden.
Vom tischlerhandwerk zum angriffsführerschein
Schuler baute für Teamkollege Fabian Reese eine Torwand, doch die Anekdote steht stellvertretend für mehr. „Ich weiß, wie viel härter andere Berufe sein können“, sagt er und meint damit nicht nur die körperliche Arbeit. Die Lehre habe ihn geerdet. Wer einmal Fenster in eisiger Dezembertemperature montiert hat, dem fallen Dauerläufe leichter. Der Stürmer spricht ohne Pathos, fast nebenbei, und das macht seine Worte schwerer. Kein Selbstmitleid, keine Heldenpose – nur ein Spieler, der die Dinge abschließt, bevor er Feierabend macht.
Die Saison 2025/26 war für Hertha und für ihn kein Spaziergang. Verletzungsbedingt verpasste er die komplette Vorbereitung, rutschte intern auf Rang drei der Sturmhierarchie. „Viele hatten mich abgeschrieben“, sagt er nüchtern. Dann kam der November, das Knie war ruhig, das Timing zurück. Acht Treffer bis Mai, nur Fabian Reese traf öfter. Dennoch: „Ich bin grundsätzlich zufrieden – und zugleich auch nicht.“ Ein Satz, der perfekt passt. Kein Zweifel, er hätte gern mehr Chancen verwandelt, hätte gern früher gespielt. Aber er weiß, dass Nachholbedarf kein Makel ist, sondern ein Arbeitsauftrag.

Leitl setzt den härtetest: „auf dem richtigen weg“
Trainer Stefan Leitl stellte Schuler in den letzten beiden Partien auf, lobte dessen Fortschritt. Für Schuler keine Selbstverständlichkeit, sondern „Bestätigung für beide Seiten“. Er redet nicht vom großen Wurf, sondern von einem „langfristigen Prozess“. Das klingt nach Handwerkerlogik: Erst das Gerüst, dann die Fassade.
Was fehlte Hertha in dieser Spielzeit? „Konstanz“, sagt Schuler und liefert damit die ehrlichste aller Antworten. Verletzungspech, Startschwäche, verschenkte Punkte – alles bekannte Refrainzeilen. Doch er schiebt keine Schuld zu, stellt nur fest: „Wir haben es schlicht nicht hingekriegt, diese Qualität konstant auf den Platz zu bringen.“ Die Tabelle lügt nicht, und Schuler redet sie nicht schön.
Am Ende bleibt ein Satz haften: „Hertha ist mir ans Herz gewachsen.“ Er sagt es, ohne Pathos, fast wie jemand, der weiß, dass gute Möbel nur dann halten, wenn man sie richtig verleimt. Und so geht der Tischler-Stürmer in die Sommervorbereitung – mit Stolz, mit acht Treffern und mit dem Wissen, dass ein Werkstück erst dann fertig ist, wenn der letzte Feinschliff sitzt.
