Lorenzo setzt alles auf james – minuten spielen keine rolle

Néstor Lorenzo schickt Kolumbien ins Feuer, nicht ins Fitness-Camp. Gegen Kroatien und Frankreich geht es für den Copa-América-Dritten um nicht weniger als die Standortbestimmung vor dem eigenen Publikum in den USA – und um die Frage, ob ein Captain ohne Club-Rhythmus noch Automatismus ist.

Warum james trotz minnesota-bank startbereit ist

Orlando, 25. März, 14:30 Urt, Marriott-Hotel. Lorenzo betritt den Saal, zieht die Kappe tiefer und legt los: „James ist fit, frisch und hellwach. Wer ihn in der letzten Trainingseinheit gesehen hat, weiß: Die Beine sind da, das Timing kommt.“ Drei Sätze, kein Blatt vor den Mund. Der argentinische Taktiker führt keine Debatte, er beendet sie.

Die Zahlen vom Wochenende klingen wie ein Druckfehler: 16 Minuten gegen Vancouver, 21 gegen Seattle. Doch Lorenzo schmunzelt nur. „Wir holen ihn nicht als Laufband, wir holen ihn als Kopf.“ In der 3-4-1-2 ist die „1“ nicht Teil der Mittelfeld-Kette, sondern der Kompass. Wer dort spielt, muss wissen, wann Cuadrado abdriftet und wann Lerma durchstartet. James weiß es, weil er es seit zehn Jahren lebt.

Die physische Frage bleibt. Sportwissenschaftler des Verbandes haben James‘ Herzfrequenzvariabilität gemessen – Wert: 92,8, Elite-Niveau. Die Datenbank der MLS listet ihn trotzdem als „low activity“. Lorenzo lacht trocken: „Google-Sheets halten keinen Pass in den Sechzehner.“

Carrascal liefert tempo, james liefert tempo-wechsel

Carrascal liefert tempo, james liefert tempo-wechsel

Jorge Carrascal kommt mit Dampf aus Moskau, fünf Liga-Einsätze in 20 Tagen. Er wird gegen Kroatien von Begin an rennen, um Kroatiens Doppel-Sechs zu sprengen. Doch ab Minute 60 droht Stagnation. Genau dort setzt Lorenzo den James-Cheat-Code: Ein Wechsel, der keiner ist, sondern ein System-Reset. „Wir wollen nicht nur Umschalten, wir wollen Umschalt-Kontrolle“, sagt der Trainer. James ist diese Kontrolle.

Kritiker mahnen: Ein Captain müsse Vorbild sein, nicht Museumsstück. Lorenzo kontert mit einem Fakt, der lauter ist als jede Tribüne: In 27 Länderspielen unter seinem Kommando hat James 14 Vorlagen geliefert – keine andere Nummer zehn der letzten 30 Jahre kam auf einen solchen Schnitt. „Erfolg verjährt nicht“, murmelt Lorenzo und schließt die Mappe.

Am Dienstag gegen Frankreich, 21 Uhr im Stade Vélodrome, wird der Plan erneut auf dem Prüfstand stehen. Mbappés Turbo, Griezmanns Raum-Zeit-Denken, Rabiots Pressing. Da wird Kolumbien nicht nur Laufmeter brauchen, sondern Gehirnlaufmeter. James hat sie. Ob er sie aus der Startelf oder aus der Garage einsetzt, spielt keine Rolle – solange sie überhaupt eingesetzt werden.

Lorenzo bleibt hart: „Wir bauen kein Team für März, wir bauen ein Team für Juni 2026.“ Der Kalender tickt, die Taktik auch. Und wenn in zwei Jahren in Dallas der erste Pass Richtung Viertelfinale fliegt, will niemand mehr nach Minnesota fragen. Dann zählt nur der Name auf dem Rücken – und die Erinnerung an einen Trainer, der sich gegen den Strom stellte.