Loïc meillard stürzt aus traumstart in wellen-chaos – kristallkugel nur noch fata morgana
Die Zahlen lügen nicht: 0,42 Sekunden fehlen Loïc Meillard nach Lauf eins auf Lucas Pinheiro Braathen – und genau diese 42 Hundertstel nagten am Schweizer Selbstvertrauen. Dritter Platz, klar. Aber das Gesicht? Aschfahl.
Die verlorene sekunde in der wellenfalle
Oben raus war alles im Plan. Meillard riss die Schwünge früh, ließ die Ski in der ersten Rollgasse tanzen, spürte den Druck der Steilheit, aber eben auch die Kontrolle. Dann kam das Mittelstück. Ein Schneewechsel, kaum ein Zehntel Sekunde, reichte, um den Außenski wegrutschen zu lassen. «Da brach das Timing zusammen», sagte er leise, fast schulterzuckend. Doch die Konsequenz war ein Tempoverlust, der sich nicht mehr kitten ließ. Die Wellen, sonst seine Stärke, wurden zur Waffe gegen ihn. «Wenn du mit ihnen fährst, fliegst du. Wenn sie dich fahren, knallst du auf die Brust.»
Die Rechnung ist gnadenhaft: Auf dieser Piste kostet ein kleiner Hänger sofort zwei Zehntel, ein grober sogar vier. Meillard kassierte beide.

Die kristallkugel rückt in galaxienferne
Jetzt wird es astronomisch. Marco Odermatt raus, Braathen vorne – und Meillard 62 Punkte zurück. Theoretisch noch machbar. Praktisch? «Mars, Jupiter, der Mond und unsere Sonne müssen sich in einer Linie bringen», sagt er mit dem trockenen Humor eines Mannes, der weiß, dass die Astronomie selten für Skifahrer Partei ergreift. Er müsste gewinnen, Braathen müsste außerhalb der Top-15 landen. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,7 Prozent – laut Statistik schlechter als ein Treffer beim Schweizer Zahlenlotto.
Meillard lacht nicht. Er schaut auf die Uhr, dann auf die Rangliste. «Ich gebe Vollgas, mehr steht nicht auf dem Programm.»
Der zweite Lauf startet in wenigen Stunden. Die Wellen liegen noch immer dort, tückisch und unverändert. Für Meillard bleibt nur eine Option: Sie zu besiegen, bevor sie ihn ein zweites Mal erwischen. Die Kristallkugel ist nur noch ein Glitzern am Horizont. Aber er wird hinfahren – und zwar ohne Netz und doppelten Boden.
