Liverpool muss zurück nach wolverhampton – und plötzlich steht wirtz wieder auf dem plan

Molineux, Freitagabend, 21 Uhr. Dieselbe Bühne, auf der Liverpool vor drei Tagen als elitärer Totgegner dastand, wird zum Schauplatz einer fragilen Hoffnung: Florian Wirtz könnte erstmals seit Wochen wieder in Shorts und nicht in Trainingslatzhose über den Platz laufen.

Die 1:2-Pleite am Sonntag schmerzt noch. Nicht wegen des Cups – der war damals schon halb leer –, sondern wegen der Art, wie der Tabellenletzte aus der zweiten Reihe die Reds schleifen ließ. Ballbesitz ohne Beißzähne, Ideen, die sich im Mittelkreis erschöpften, und hinten ein offenes Tor, sobald Matheus Cunha nur den Kopf hob. Arne Slot sprach vom „Gefühl, die Anfangsphase kontrolliert zu haben“, was im Klartext bedeutet: 45 Minuten lang passten sich die Wolves an, dann drehten sie den Schalter um.

Warum wirtz plötzlich mehr ist als ein joker

Warum wirtz plötzlich mehr ist als ein joker

Der Deutsche war am Sonntag noch ein Zuschauer mit Rückenproblemen. Jetzt ist er der mögliche Turbo, der die Angriffswelle wieder in Gang bringen soll. „Er trainierte gestern halb mit der Mannschaft“, sagte Slot und klang dabei wie ein Mechaniker, der endlich wieder den richtigen Zündschlüssel in der Hand hält. Drei Pflichtspiele hat Wirtz verpasst, seitdem schoss Liverpool nur noch zwei Tore aus dem Spiel heraus – beide aus Standard.

Die Rechnung ist simpel: Ohne Wirtz bleibt Luis Díaz der einzige Dribbler, der Gegner vertikal zerreißen kann. Mit Wirtz erhält Szoboszlai einen Passgeber, der zwischen den Linien nicht erst kontrollieren muss, sondern sofort weiterleitet. Die Frage ist nicht, ob der 21-Jährige fit ist, sondern wie viele Sprint er noch im Bein hat, bevor der Champions-League-Knaller in Istanbul ansteht.

Slot wird rotieren – „einige, aber nicht elf“ Wechsel kündigte er an. Das ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Der October-League-Cup-Ausritt gegen Crystal Palace (0:3) war ein Lehrstück darin, wie schnell Pokalträume platzen, wenn man zu viel schont. Diesmal steht mit dem FA Cup das letzte nationale Schiff bereit, das noch einen Titel in den Hafen von Anfield lotsen kann.

Die Wolves ihrerseits haben den Geschmack geweckt. Gary O’Neil formierte seine Mannschaft im 3-4-3, presste erst spät, schaffte aber genug Ballgewinne im letzten Drittel, um Liverpool zweimal zu treffen. Die Marschroute für Freitag lautet: früher stören, die Halbräume vor dem Sechzehner dicht machen und die Räume hinter den Außenverteidigern nutzen. Trent Alexander-Arnold wird sich fragen, ob er wieder nach innen rücken und gleichzeitig seine Flanke liefern soll – ein Dilemma, das Wolves-Knacker Pedro Neto liebend gern ausnutzt.

Die Stunde der Wahrheit für Slot ist deshalb keine taktische, sondern eine psychologische. Er muss eine Mannschaft auf das Feld schicken, die sich vor drei Tagen selbst als „unkonzentriert“ bezeichnete, ohne sie zu zerreißen. Die Auswahl: entweder sofort Druck durch Wirtz aufbauen oder ihn auf der Bank wärmen und riskieren, dass das Spiel erneut ins Stocken gerät. Beide Szenarien bergen das Potenzial, die Saison endgültig in die richtige oder falsche Richtung zu drücken.

Am Ende bleibt eine einfache Tatsache: Wer im Januar gegen das Schlusslicht zweimal hintereinander patzt, darf sich im Mai nicht wundern, wenn die Trophäensammlung unberührt bleibt. Liverpool hat 48 Stunden, die Saison neu zu justieren. Wirtz oder nicht – die Uhr tickt laut genug, dass es in Wolverhampton bis zur letzten Minute zu hören ist.