Liv golf: finanzierung in gefahr – droht das aus?
Die Luft wird dünner beim LIV Golf. Scott O’Neill, der CEO der umstrittenen Liga, hat in einem Interview mit TNT eingeräumt, dass die finanzielle Zukunft ungewiss ist. Was als revolutionärer Schachzug im Golfsport gedacht war, könnte sich als teures Understatement herausstellen.
Die rolle des pif: ein wackelnder grundstein
Die bisherige Finanzierung des LIV Golf basierte maßgeblich auf dem Public Investment Fund (PIF) aus Saudi-Arabien, einem der größten Staatsfonds der Welt. 5,3 Milliarden Dollar flossen seit 2022 in die Liga, um Top-Golfer mit lukrativen Verträgen anzulocken und eine Alternative zum etablierten PGA Tour zu schaffen. Doch nun deutet alles darauf hin, dass das PIF seine Unterstützung zumindest reduzieren oder gänzlich einstellen könnte. Dies löst Nervosität aus, insbesondere in Orten wie Louisiana, wo das LIV-Turnier in New Orleans auf eine klare finanzielle Planung angewiesen ist.
O’Neill versuchte, die Situation herunterzuspielen und auf die Erfahrungen ähnlicher Investitionen in der Unternehmensgeschichte zu verweisen. Aber die Summen, die hier im Spiel sind, sind alles andere als alltäglich. Man erinnert sich an die Investitionen von Qatar Sports Investments (QSI) in Paris Saint-Germain (PSG), die in 15 Jahren schätzungsweise 4 Milliarden Euro kosteten. Der Vergleich ist treffend, aber auch beunruhigend.
Die aktuelle Struktur des LIV Golf ist alles andere als effizient. Von den 30 Millionen Dollar Preisgeld pro Turnier werden lediglich zwei Veranstaltungen in Adelaide und Johannesburg Gewinne erzielen. Drei weitere Turniere laufen laut LIV „im grünen Bereich“ – sie erwirtschaften zwar nur geringe Gewinne, aber Gewinne sind Gewinne. Ohne substanzielle finanzielle Unterstützung wird es jedoch extrem schwierig, die Stars der Liga, wie beispielsweise Bryson DeChambeau, zu halten. Sein Vertrag läuft im August aus.

Ein neuer ansatz für den golfsport?
Die Verantwortlichen des LIV Golf sehen sich nicht als Konkurrenten, sondern als Wegbereiter für eine Modernisierung des Golfsports. Sie wollen jüngere Zielgruppen erreichen und neue Märkte erschließen. O’Neill fragte rhetorisch, ob man sich auf den amerikanischen Markt beschränken oder die restlichen 7,5 Milliarden Menschen auf dem Planeten ansprechen wolle. Der PGA Tour und DP World Tour würden sich primär an ein Publikum ab 60 Jahren richten, so die These des LIV.
Doch die Realität sieht anders aus: Bisher war es vor allem das Geld, das die Spieler angelockt hat. Selbst diejenigen, die anfangs skeptisch waren, saßen am Verhandlungstisch, wo die Dollar-Beträge oberste Priorität hatten. Der LIV Golf steht vor einer Mammutaufgabe. Bis Juli müssen die Verantwortlichen einen tragfähigen Geschäftsplan vorlegen, andernfalls droht das Fiasko.
Die aktuelle Situation, geprägt von globaler Unsicherheit und der Dominanz von Scottie Scheffler und Rory McIlroy auf der PGA Tour, erschwert die Aufgabe zusätzlich. O’Neills Behauptung, der LIV Golf befinde sich „in bester Verfassung“ ist daher mit Vorsicht zu genießen. Das Interesse an der Liga ist zwar gestiegen, die Struktur wurde verbessert und die Zuschauerzahlen wachsen. Städte wie Madrid haben Interesse gezeigt, doch die Anbindung an den Formel-1-Kalender erwies sich als unvereinbar.
Die Strategie, nationale Open-Meisterschaften zu integrieren, scheiterte ebenfalls an der Ablehnung der Federación Española de Golf. Das Angebot, das Turnier in den International Series des Asian Tour zu integrieren, wäre mit der Auflage verbunden gewesen, dass die Hälfte der Teilnehmer aus dem Asian Tour stammen müssten – ein Vorschlag, den die spanische Regierung ablehnte.
Die Uhr tickt für den LIV Golf. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Liga ihren Weg in eine nachhaltige Zukunft findet oder ob sie nur ein teures Experiment bleibt. Die Frage ist nicht, ob der Golfsport modernisiert werden muss, sondern ob die gewählten Mittel dafür die richtigen sind.
