Wie ein massierer coppi zurück ins leben warf

Der Blick war leer, die Beine noch leerer. Als Fausto Coppi am 14. Juli 1951 in Montpellier die Rampe hochschritt, war er bereits ausgeschieden – nur niemand hatte es ihm gesagt. 42 Minuten zu spät, die Siegesfeier vorbei, die Franzosen schwiegen. Ein Mann mit Lockenkopf und Zouave-Hosen trat vor: Giannetto Cimurri. Er legte Coppi die Hand auf die Schulter und hörte die einzigen Worte des Tages: „Ein Bad mit Wasser und Essig.“

Die nacht, in der der zauberer arbeitete

Cimurri füllte die Zinkwanne, mischte Essig und Salz, trocknete den Champion ab, legte ihn auf die Liege. Die Jury hatte die 40 Verspäteten reaktiviert – Coppi zuckte nur mit den Achseln. Seit Tagen aß er nicht, trank nur. Cimurri schleppte ein Tablett hoch, blieb, bis die Teller leer waren, war sich aber nicht sicher, ob der Campion morgens starten würde.

Am nächsten Morgen brachte er Post. Darin ein Foto: Coppi und zwei Mitfahrer lassen einen Dreijährigen gewinnen – Cimurris Sohn Giorgio. Auf der Rückseite ein Kindergruß: „Du hast Coppi geschlagen.“ Coppi lachte zum ersten Mal seit dem Tod seines Bruders Serse. Vier Tage später fuhr er auf dem Izoard allen davon und siegte in Briançon.

Rezept des wunderheilers

Rezept des wunderheilers

Cimurris Geheimrezept gegen Totalverlust: „Hühnerpillen, Kellergrog und Nudelspritzen“ – eine Mischung aus Eiweiß, Rotwein und Kohlenhydraten, die er selbst zusammenrührte. Kein Teamarzt, kein Dopingtest, nur ein Mann, der die Muskeln der Legenden kannte und ihre Seelen massierte. Ohne ihn gäbe es das Bild vom einsamen Coppi auf der Mondlandschaft des Izoard nicht – und vielleicht auch den Mythos nicht.

Heute, 73 Jahre später, erinnert niemand mehr an den Zauberer mit den krummen Fingern. Die Statistiken zählen Siege, nicht die Retter. Doch wer die alten Filme abruft, sieht noch das Band zwischen dem Mann auf dem Podest und dem mit dem Handtuch. Ein Lächeln, ein Bad, ein Foto – das war alles, was der größte Radsportler Italiens brauchte, um wieder zu fliegen.