Locatelli: vom duce gefeiert, im krieg verloren – ein boxer-schicksal

Paris, 1940. Ein Lokal unter dem Kommando eines italienischen Boxers, einst gefeiert vom Duce und von amerikanischen Fans gleichermaßen, wird dem Zorn der NS-Bomber zum Opfer. Das ist das tragische Ende von Cleto Locatelli, einem Mann, dessen Karriere so strahlend wie kurz war.

Der aufstieg des „cletò“: aufstieg und fall eines champions

Der aufstieg des „cletò“: aufstieg und fall eines champions

Anacleto Locatelli, geboren am 5. November 1906 in Bellinzona, eroberte die Boxwelt der 1930er Jahre im Sturm. Sein Talent war unbestreitbar, und schon bald wurde er in Mailand zum Star, wo er unter dem Namen „Cletò“ brillierte. Er stieg schnell auf, gewann den europäischen Titel der Federgewichtler und erregte die Aufmerksamkeit nicht nur der italienischen Bevölkerung, sondern auch von Benito Mussolini höchstpersönlich. Der Diktator sah in Locatelli ein Sinnbild für die italienische Stärke und Jugendlichkeit.

Doch der Ruhm währte nicht lange. Wie so oft im Leben, so auch im Boxsport, folgte dem Aufstieg ein jäher Fall. Die Kriegsjahre brachten nicht nur Tod und Zerstörung, sondern auch das Ende einer Karriere. Locatelli hatte sich in Paris niedergelassen und ein eigenes Lokal eröffnet. Ein Ort des Glücks, der Geselligkeit – bis der Krieg kam. Die Bombenangriffe der Nazis vernichteten nicht nur sein Geschäft, sondern auch einen Teil seiner Seele.

Die Tragödie des verarmten Champions: Was geschah mit Locatelli nach dem Krieg? Man munkelt von Fehlinvestitionen, von Geld, das versickert ist, von der üblichen Misere, die so viele Sportler nach ihrer aktiven Zeit trifft. Er lebte angeblich in einer Art Dachboden am Ufer der Seine, ein Schatten seiner selbst. Erkannte er überhaupt noch den einst gefeierten Champion in dem Mann, der sich in den trüben Wassern des Flusses spiegelte? Die Antwort darauf wird wohl im Nebel der Geschichte verloren gehen.

Die Geschichte von Cleto Locatelli ist eine bittere Mahnung: Der Ruhm ist vergänglich, die Zeit heilt nicht alle Wunden. Ein Boxer, der einst die Herzen einer ganzen Nation eroberte, endete in relativer Anonymität, eine tragische Figur in der schnelllebigen Welt des Sports. Die Erinnerung an seine Glanzzeiten bleibt, ein stiller Zeuge des unaufhaltsamen Laufes der Geschichte.