Lino banfi packt aus: „vor nackten stars musste ich an mich halten“
„Mi avete preso per un coglione!“ – diesen Satz improvisierte Lino Banfi 1984 vor 50.000 Römern im Stadio Olimpico, und Italien lachte sich krumm. Heute, wenige Tage vor seinem 90. Geburtstag, erklärt der Mime im Corriere della Sera, wie die berühmteste Szene von L’allenatore nel pallone wirklich entstand: „Die Statisten packten mich falsch an den Hoden, ich spürte jeden Nerv. Statt ‚Aua‘ brüllte ich eben das, was jeder gedacht hat – und das Stadion tobte.“
Vom bombenkeller zum kult-coach
Die Idee zum Film lieferte kein Geringerer als Nils Liedholm, damals Trainer von Banfliebsten AS Roma. Der Schwede wollte eine Satire über das röchelnde italienische Fußball-System – und wusste, dass nur ein Komiker vom Schlage des apulischen Bauernsohns die Arroganz der Figur „Trainier Oronzo Canà“ glaubwürdig zerlegen könnte. Banfi sagte sofort zu, obwohl er sich selbst als „cretino, grasso e basso“ bezeichnet. Das Resultat wurde Kult, die Sprüche Zitat-Kanon, die Einnahmen legendar.
Doch das Ganze hätte nie stattgefunden, hätte der Neunjährige 1943 in Canosa di Puglia nicht in einem Luftschutzkeller zwei Kriegspuppen aus Brotpanzer gebastelt. „Orlando und Rinaldo“, erinnert sich Banfi, „sollten sich gegenseitig die Schulterblätter auseinandernehmen. Ich ließ sie mit der Stimme meines Onkels Michele fluchen: ‚Ti spacco la noce del capocollo!‘ Die Kinder hörten auf zu weinen und lachten. Da wusste ich: Ich will Menschen zum Lachen bringen, koste es, was es wolle.“

Nacktheit, edwige fenech und der innere schweinehund
Spätestens in den Siebzern wurde daraus ein lukrativer Beruf. Banfi drehte mit Edwige Fenech, Anna Maria Rizzoli, Nadia Cassini, Gloria Guida und Barbara Bouchet – Schönheiten, die das Kalkül der Commedia sexy all’italiana bestimmten. „Wenn eine nackte Kollegin vor mir stand, kämpfte ich jedes Mal“, gesteht er. „Soll ich flirten oder professionell bleiben? Am Ende sagte ich mir: Warum sollte ein Mädchen einen Dicken mit Glatze küssen wollen, nur weil die Kamera läuft?“ Die Antwort lautete Disziplin. Acht Duschen am Tag nahmen die Schauspielerinnen, um jeden Verdacht von „zozzi“-Filmchen zu zerstreuen. „Sauberer ging’s nicht“, lacht er.
Dennoch plagte ihn das Körperkomplex-Syndrom. „Ich hungerte bei Mességué, nahm 12 Kilo ab und holte sie mit Zinsen zurück. Meine Maske des dicken Pugliesen war sicher, aber das Selbstbewusstsein nicht.“ Die Karriere dagegen lief wie geschmiert: vom Schuldiener zum Schuldirektor, vom Gulaschkanoniermann zum Oberst – immer nach oben, immer mit einem Lächeln.

Mit 90 die autobiografie – und kein ende in sicht
Am Dienstag erscheint „90, non mi fai paura!“ – 320 Seiten voller Geschichten, die zwischen Trümmern und Traumfrauen, zwischen Slapstick und Society oszillieren. Banfi schreibt so flüssig, wie er spricht: schmissig, schmutzig, herzlich. Wer denkt, das sei ein Abschied, irrt. „Ich habe noch zwei Drehbücher in der Schublade. Solange ich atme, will ich lachen – und andere zum Lachen bringen.“
90 Jahre, neun Jahrzehnte italienischer Lebensfreude. Und eine Erkenntnis: „Humor ist wie ein Elfmeter. Du kannst ihn dir zwar aussuchen, aber du musst ihn auch verwandeln.“ Banfi verwandelt. Nach neun Jahrzehnten immer noch mit Treffsicherheit.
