Lingor: gleiches gehalt für fußballerinnen? „nicht das richtige ziel“

Ein Schlag gegen die Gleichberechtigung im Fußball? Renate Lingor, zweimalige Weltmeisterin und Europa-Champion, hat im „Deep Dive“-Podcast von SPORT1 scharfe Kritik an der Forderung nach gleichen Gehältern für Fußballerinnen und Fußballer geäußert. Ihre Argumentation wirft einen neuen Blick auf die wirtschaftlichen Realitäten des Frauenfußballs und löst eine Debatte aus.

Die diskrepanz zwischen rasen und geschäft

Lingor argumentiert, dass der Vergleich zwischen Männer- und Frauenfußball nicht pauschal gezogen werden könne, da die Rahmenbedingungen fundamental unterschiedlich seien. „Wir vergleichen da nicht genau das gleiche Event“, betonte die 50-Jährige. Die geringeren Zuschauerzahlen und die deutlich niedrigeren TV-Einnahmen, insbesondere auf Vereinsebene, sind hierbei zentrale Punkte. Die vergangene EM 2025 in der Schweiz habe zudem gezeigt, dass auch größere Turniere im Frauenfußball noch nicht nachhaltig profitabel sind. „Da sind immer noch keine schwarzen Zahlen geschrieben worden.“

Es geht demnach nicht nur um das, was die Spielerinnen auf dem Platz leisten, sondern um das gesamte Produkt, das damit verbunden ist. Lingor sieht hier eine Aufgabe für alle Beteiligten, das Produkt Frauenfußball effektiver zu vermarkten und weiterzuentwickeln.

Ein krankenhaus als vergleich: equal pay im medizinischen bereich

Ein krankenhaus als vergleich: equal pay im medizinischen bereich

Um ihre Position zu verdeutlichen, führte Lingor ein anschauliches Beispiel aus dem medizinischen Bereich an: „Wenn ich jetzt ein Chirurg bin an der Frankfurter Uniklinik und da ist eine Frau und ein Mann. Sie sind in derselben Klinik, machen den selben Job, dann müssen sie gleich bezahlt werden. Dann reden wir wirklich von Equal Pay.“ Hier würden tatsächlich die gleichen Voraussetzungen gegeben sein, und eine ungleiche Bezahlung wäre nicht nachvollziehbar. „Das macht keinen Sinn.“

Aber: Im Fußballgeschäft spielen die Profitabilität und die wirtschaftliche Tragfähigkeit eine ganz andere Rolle. Der Männerfußball generiert deutlich höhere Umsätze, was die Vergleichbarkeit erschwert. Lingor plädiert daher zunächst für verstärkte Fördermaßnahmen im Frauenfußball, die zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung führen sollen – bevor die Gehaltsfrage überhaupt in den Vordergrund rückt.

„Von heute auf morgen zu sagen: Ich vergleiche das jetzt und ich möchte das, was die Männer haben“, hält Lingor für einen falschen Ansatz. Stattdessen sollte der Fokus auf die Stärkung des Frauenfußballs als eigenständiges Produkt liegen, um langfristig eine Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen zu erreichen. Die Debatte um gleiche Gehälter ist damit vorerst auf Eis gelegt, solange die finanziellen Grundlagen dafür nicht gegeben sind.