Lili pink: geschäfte laufen weiter – trotz ermittlungen wegen geldwäsche

Ein Schock für die kolumbianische Modebranche: Die Staatsanwaltschaft hat die Geschäftsräume von Lili Pink durchsucht, einem der bekanntesten Retailer des Landes. Doch anders als befürchtet, bleiben die Filialen vorerst geöffnet. Die Ermittlungen wegen mutmaßlichem Geldwäsche- und Schmuggelverdachts laufen zwar auf Hochtouren, das operative Geschäft soll aber unter staatlicher Aufsicht weiterlaufen.

Die razzia: ein umfassender schlag gegen eine mutmaßliche organisation

Die Durchsuchungen umfassten beeindruckende 59 Städte und Gemeinden in 25 Departamentos. Ganze 405 Verkaufsstandorte, 40 Immobilien, acht Fahrzeuge und sogar eine Gesellschaft wurden von den Ermittlungen erfasst. Das Ausmaß der Maßnahmen deutet auf eine tiefgreifende Untersuchung einer potenziell organisierten kriminellen Struktur hin, weit mehr als nur auf einzelne Verstöße.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass Lili Pink als Fassade für illegale Aktivitäten diente. Zu den Vorwürfen gehören der unbefugte Import von Waren und die Verschleierung illegal erwirtschafteter Gelder. Experten sprechen von einem komplexen System aus Importgesellschaften, Handelsfirmen und Briefkastenfirmen, das dazu diente, Transaktionen zu fragmentieren und die Geldspur zu verwischen. Die geschätzten Summen sind schwindelerregend: Über 730 Milliarden kolumbianische Pesos sollen gewaschen, über 430 Milliarden Pesos durch illegale Bereicherung erworben und Waren im Wert von über 75 Milliarden Pesos geschmuggelt worden sein. Zudem wurden Waren im Wert von mehr als 54 Milliarden Pesos beschlagnahmt.

Wer steckt hinter lili pink und wie wichtig ist das unternehmen?

Wer steckt hinter lili pink und wie wichtig ist das unternehmen?

Lili Pink wurde vor rund 20 Jahren von den Brüdern David und Max Abadi gegründet und hat sich zu einer der führenden Ketten für Damenunterwäsche in Kolumbien entwickelt. Mittlerweile gehört das Unternehmen dem panamaischen Holding Lili Brands. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Fast Moda S.A.S., die in Kolumbien für den Betrieb und das Franchise-Netzwerk zuständig ist, im Jahr 2024 einen Jahresumsatz von 514,881 Milliarden Pesos, ein Vermögen von 31,867 Milliarden Pesos und eine Verschuldung von 89,6% verzeichnete.

Das Unternehmen ist ein wichtiger Arbeitgeber, der schätzungsweise über 2.300 Arbeitsplätze in Kolumbien sichert – in den Bereichen Verkauf, Logistik, Verwaltung und Design. Die Entscheidung, die Filialen offen zu halten, minimiert daher vorerst die Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Kunden. Allerdings befindet sich das Unternehmen in einer äußerst prekären juristischen Lage.

Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, ob Lili Pink die Struktur genutzt hat, um Waren illegal einzuschmuggeln und illegalen Geldern ein legales Aussehen zu verleihen. Es gilt abzuwarten, wie die Gerichte im weiteren Verlauf des Verfahrens entscheiden werden. Die Verhaftung von Führungskräften ist demnach nur eine Frage der Zeit.