Lichtsteiner packt aus: shaqiri gehört ins nati-aufgebot
Stephan Lichtsteiner legt die Karten auf den Tisch. Der FC-Basel-Coach nennt beim Media-Termin vor dem Young-Boys-Spiel jene Eigenen, die seiner Ansicht nach morgen im Schweizer Nationaldress mitmischen könnten. Erster Name auf der Zunge: Xherdan Shaqiri.
Warum der 34-jährige routinier noch immer zählt
Die Saison 2023/24 war ein Solo. Zwölf Tore, neun Vorlagen, zwei Finalsiege – Shaqiri trug Basel auf seinen 33 Jahre alten Schultern zum Double. Die Zahlen sind kein Zufall, sie sind sein Antwortschreiben an alle, die ihn nach seinem Rücktritt aus der Nati für abgehängt hielten. Lichtsteiner, der an der Seitenlinie sitzt und jeden Trainingstag sieht, wie der Offensivspieler Bälle im Schlitzohr-Modus verteilt, redet Klartext: «Shaqiri bringt Dinge mit, die in keiner Statistik stehen – Tempo gegen die Tiefe, Körpertäuschung, diagonal öffnende Pässe, die unser Spiel entzünden.»
Dass die Skorerpunkte in dieser Spielzeit rar sind, schiebt der Coach der Mannschaft zu: «Wenn die Laufwege nicht klappen, weil sich die Gegner auf ihn konzentrieren, fehlt die letzte Durchbrechung. Das ist kein Alleinunterhalter-Theater, das ist Kollektiv-Taktik.»

Basel liefert nationaltrainer yakin ein paket
Lichtsteiners Liste ist länger als nur ein Name. Dominik Schmid, Becir Omeragic und das 18-jährige Rohdiamant-Gerüst Giacomo Koloto sind laut dem Ex-Juve-Verteidiger «Nati-reif, wenn sie Konstanz in die Zweikämpfe bringen». Doch die Pointe bleibt Shaqiri. Weil er Erfahrung atmet, 125 Länderspiele im Rücken, Champions-League-Passieren in den Beinen. Weil er in der Kabine laut wird, wenn das Mittelfeld schlft. Weil er mit jedem Ballkontakt ein Stadion zum Glühen bringt.
Murat Yakin und der 34-Jährige? Ein Verhältnis, das in der Fussball-Schweiz mit «komplex» umschrieben wird. Doch Komplexität kennt im Sport oft nur eine Lösung: Leistung. Lichtsteiner sendet ein Signal: «Wenn wir mit der Rückrunde durchstarten und Shaqiri seine Zahlen liefert, spricht nichts gegen eine Einladung.»
Am Samstag gegen Thun saß der Routinier 90 Minuten auf der Bank – ein Novum seit Jahren. Ob er gegen die Young Boys wieder von Beginn an aufläuft, hält Lichtsteiner offen. «Ich brauche Frische auf den Aussenbahnen. Shaqiri kann ein Joker sein oder von Anfang an die Bühne betreten – entscheidend ist, dass er die Bälle festnagelt, die ihn in die Tiefe schicken.»
Basel braucht Punkte, die Nati braucht Ideen. Shaqiri könnte beide Seiten bedienen. Die Frage ist nicht mehr, ob er will, sondern ob Yakin bereit ist, das Kapitel neu aufzuschlagen. Lichtsteiners Auswahl steht. Der Ball liegt jetzt beim Nationaltrainer.
