Li haotong kämpfte sich von der toilette zur birdie-serie – und jagt rorys rekordjagd
Li Haotong stand am Freitagmorgen in Augusta zwischen Dusche und Fairway – und wäre beinahe direkt wieder umgekehrt. „Ich hatte das Gefühl, auf der Toilette zu leben“, sagte der Chinese nach seiner 68er-Runde. „Keine Energie, schwindelig, mir war ständig übel.“ Trotzdem notierte der 30-Jährige auf den Back-Nine vier Birdies in Folge und rangiert bei –4 nur drei Schläge hinter der Spitze.
Vom krankenbett an die flagge
Die Magen-Darm-Attacke erwischte ihn in der Nacht zum zweiten Tag. Auf dem Range schlug er kaum zehn Bälle, bevor er sich setzen musste. „Ich dachte, ich falle wieder aus wie 2020 bis 2025“, so Li, der sich seit seiner letzten Masters-Teilnahme jedes Jahr qualifizieren wollte und scheiterte. Stattdessen lieferte er die beste Runde seiner Augusta-Karriere ab und blickt nun auf ein erstmals realistisches Wochenende-Ziel: Top-10.
Die Kurve kriegte er mit Cola und Salzstangen gedreht – und mit einem Putter, der plötzlich alles annahm. Vom 12. bis zum 15. Loch riss er die Pins nacheinander heraus, während die Galerie seinen Namen skandierte. „Danach fühlte ich mich irgendwie ganz schön“, lachte Li. „Ein Major lässt mich vergessen, dass mir vorher schlecht war.“

Rory mcilroys historische vorstellung überschattet fast alles
Die Tatsache, dass jemand bei –12 durch die Georgia-Pines fliegt, nimmt dem Comeback ein wenig die Schlagzeile. Rory McIlroy jagt mit einem Sechs-Schlag-Vorsprung die dritte erfolgreiche Titelverteidigung der Masters-Historie. Seine 65er-Runde war eine Demo in Präzision: 14 von 18 Greens, 28 Putts, keine Bogey. „Ich konzentriere mich darauf, Vollgas zu geben“, sagt der Nordire, ohne das Wort „Geschichte“ auch nur zu erwähnen.
Die Führung ist die größte nach 36 Löchern, die Augusta je gesehen hat. Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods bilden bislang das exklusive Clubhaus der Back-to-Back-Champions. McIlroy könnte am Sonntag eintreten – und gleichzeitig den Karriere-Grand-Slam komplettieren.
Für Li bleibt die Realität: Er muss zwei Tage lang erneut an seine physischen Grenzen, will sich nicht mit „bestes Masters-Resultat“ zufriedengeben. „Wenn der Körper hält, habe ich nichts zu verlieren“, sagt er und packt wieder die Cola-Flasche. In Augusta zählt nur, wer am 18. Grün zuletzt lächelt – egal, wie viele Toilettenwege vorher nötig waren.