Lerch fordert vollgas: union berlin ist kein sparringspartner

Stephan Lerch schlägt keine Minuten mehr lang Wellen. Nach dem Champions-League-K.o. gegen Lyon fordert der Coach der VfL-Frauen gegen Union Berlin den nächsten Schlusspunkt – und zwar binnen 72 Stunden. Die Spielerinnen müssen regenerieren, umrüsten, zubeißen. Kurz: Sie sollen erneut das tun, was deutschen Frauenfußball seit Wochen elektrisiert.

Keine pause für müde beine

Die Wölfinnen haben in den letzten vier Wochen acht Pflichtspiele absolviert – ein Programm, das Lerch als „nicht vertretbar“ bezeichnet. Dennoch verlangt er beim Liga-Gastspiel gegen Union (Sonntag, 16 Uhr) „volle Konzentration von der ersten Sekunde“. Der Grund: Die Berlinerinnen haben sich seit dem 1:4 in der Hinrunde stabilisiert, laufen engere Räume und warten auf Konter. „Wir haben gemerkt, wie unangenehm es wird, wenn sie sich hinten verbarrikadieren“, sagt Lerch. Für ihn ist das kein Schaukampf, sondern ein „Finalspiel“ im Kampf um die Tabellenspitze.

Die personelle Lage bleibt angespannt. Alexandra Popp, Lena Lattwein und Kessya Bussy fallen weiter aus. Justine Kielland laboriert an einer Knie-Reizung – ihr Einsatz entscheidet sich kurzfristig. Die medizinische Abteilung arbeitet im Akkord, während der Rest der Mannschaft Videostudien und Regeneration im Wechsel absolviert. Lerch: „Mein Hut geht vor den Mädels, die die Informationsflut jeden Tag runterbeten.“

Taktik à la carte gegen den abstiegskandidaten

Taktik à la carte gegen den abstiegskandidaten

Union steht auf dem zwölften Platz, hat aber erst zwei Punkte Rückstand auf den rettenden neunten Rang. Trainerin Ailien Poese wird mit Fünferkette agieren, um die Außen von Wolfsburg zu ersticken. Lerch kontert mit schnellem Positionswechsel: Linksaußen wird zur Stürmerin, die Sechserin rückt ins Zentrum. Die Devise lautet: „So einfach wie möglich, so viel wie nötig an neuen Informationen.“ Die Spielerinnen bekommen maximal zwei zusätzliche Automatismen pro Gegner eingetrichtert, mehr hält der Kopf nicht aus.

Die Zahlen sprechen für den VfL: zwölf Heimsiege in Serie, 41:4 Tore, keine Niederlage seit 34 Ligaspielen. Doch genau diese Statistik macht Lerch nervös. „Wenn wir nur zwei Prozent runterfahren, reicht das für ein 0:0 oder 1:1.“ Das will er verhindern und schickt seine Startelf mit dem Credo: „Erstens die Null, zweitens früh die Entscheidung.“

Champions-league-rückspiel schon im blick

Champions-league-rückspiel schon im blick

Trotz Liga-Fokus tickt in Wolfsburg auch die europäische Uhr. Am kommenden Donnerstag geht’s nach Lyon, wo ein 1:0 zu verteidigen ist. Lerch verspricht keine Rotation: „Wer läuft, hat sich die Erleichterung verdient.“ Die sportliche Leitung beobachtet Laktatwerte und Schlafprofile, um Ermüdungsverletzungen vorzubeugen. „Wir reiten die Erfolgswelle“, sagt er, „aber das Brett vor dem Kopf heißt Union.“

Am Sonntag wird die AOK-Stadion-Pelouse bei 23 Grad erwartet – ideale Bedingungen für Kombinationsfußball. Die Fans haben bereits 20.000 Tickets gebucht, die Kurve wird sich drehen bei jedem Pressing. Lerch: „Wenn die Anhänger pfeifen, weil wir drei Minuten hinten rumdaddeln, ist das gut. Dann wissen wir, dass sie mitdenken.“

Für Union ist es die letzte Chance, den Klassenverbleib selbst in die Hand zu nehmen. Für Wolfsburg der nächste Schritt zum Double. Lerch verspottet die Favoritenrolle mit einem trockenen: „Wir sind nur Favorit, wenn wir 90 Minuten lang Favorit spielen.“ Punkt. Ende des Diktats. Nächste Runde bitte.