Leipziger herzschlagfinale: rb dreht spiel in der nachspielzeit und hält cl-traum am leben
Die rote Arena bebte. 90 Minuten lang nagte RB Leipzig an der kompakten Augsburger Mauer, und als Schiedsrichter Martin Petersen in der zweiten Minute der Nachspielzeit auf die Uhr blickte, schien die Champions-League-Mission bereits gescheitert. Dann traf Arthur Chaves ins eigene Netz – und verwandelte das 1:2 in ein 2:1. Leipzig holt sich die Punkte mit letzter Kraft, bleibt bei 47 Zählern und wahrt die Chance auf Platz vier.
Schlotterbecks fehlschuss prägt die erste hälfte
Der Tag begann mit einem Albtraum. Keven Schlotterbeck, sonst sicher von der Punkt, scheiterte am jungen Maarten Vandevoordt, der Elfmeter prallte an die Latte. Die Augsburger, zuvor aussichtslos unter Druck, atmeten auf. Robin Fellhauer nutzte die Unsicherheit der Sachsen, vollendete nach einer Traumkombination von Giannoulis und Rieder zum 0:1. RB wirkte plötzlich ideenlos, die Flügel kamen nicht zum Zug, Christoph Baumgartner vergab die beste Chance der ersten 45 Minuten aus spitzem Winkel.
Nach der Pause schaltete Ole Werner um. Die Viererkette rückte höher, Yan Diomande wurde eingewechselt, die Leipziger drängten auf den Ausgleich. Die Uhr tickte. In der 76. Minute war es soweit: Diomande nahm einen abgewehrten Ball volley, der Schuss prallte unhaltbar unter die Latte. Das Stadion explodierte, doch die Führung der Gäste war noch längst nicht egalisiert.

Rodrigo ribeiro trifft den pfosten – dann folgt das drama
Augsburg wehrte sich mit allem. Rodrigo Ribeiro jagte den Ball aus 18 Metern an den Pfosten, Vandevoordt war geschlagen. Die Leipziger Abwehr wankte, doch der Ausgleich fiel nicht. In der Nachspielzeit schien ein Punkt das Höchste der Gefühle – bis eine Ecke von links hereingeschlagen wurde. Arthur Chaves wollte klären, traf den Ball volley, aber in die falsche Richtung. 2:1. Die Bank jubelte, Augsburgs Trainer Manuel Baum sackte auf der Betonbank zusammen.
Die Zahlen sind hart: RB kassierte 13 Torschüsse aus zweiter Reihe, nur 4 kamen aufs Tor. Die Passquote im letzten Drittel lag bei 67 % – das reicht nicht für die Königsklasse. „Wir haben überlebt, nicht gespielt“, sagte Werner nach Abpfiff. „Aber drei Punkte sind drei Punkte.“ Leipzig reist nun nach Stuttgart, dann folgt Hoffenheim. Beide Spiele sind Endspiele. Wer dort stolpert, fliegt raus aus dem Rennen.
Augsburg bleibt bei 31 Punkten, rutscht auf Rang neun. Die Serie von drei Siegen ist gerissen, Baum muss nun gegen Bochum und Mainzliefern, will die Europa-League-Träume am Leben erhalten. Die Saison ist noch lang, aber der Knopf beginnt zu drücken. Für Leipzig gilt: Das Herz hat gewonnen, der Kopf muss folgen. Die Champions League ruft – und sie wartet nicht auf Wunder.
