Leipzig will revanche: stuttgart wieder am limit
42. Pflichtspiel gegen Spiel 30 – die Zahlen sind eine Kampfansage. Am Sonntag (19.30 Uhr, Mercedes-Benz-Arena) trifft der VfB Stuttgart auf RB Leipzig, und wieder geht es um nichts Geringeres als die Champions League. Die Schwaben laufen mit brandneuen Muskelkater vom Donnerstag auf den Rasen, Leipzig dagegen mit einer Woche Strandurlaub im Nacken. Der Frischevorteil ist real, die Rechnung der Vorsaison noch offen.
Die rechnung von 2025 ist noch offen
Im Mai letzten Jahres schickte Stuttgart Leipzig mit einem 3:2 in den Urlaub und raubte den Sachsen zum ersten Mal seit 2016 die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb. Im Pokal folgte das 3:1 im Halbfinale, das Endspiel gegen Bielefeld bescherte Stuttgart die Europa-League-Ticket. Trainer Sebastian Hoeneß nannte die Belastung damals „gewollte Belohnung“. Jetzt droht sie zum Bumerang zu werden, denn Leipzig hat geschlafen, trainiert – und gewartet.
Die Statistik lügt nicht: Beide Teams haben 47 Punkte, 14 Siege, fünf Remis, sechs Niederlagen. Nur die Tordifferenz (+2 für Stuttgart) trennt Platz vier von fünf. Ein Sieg am Sonntag würde Leipzig erstmals seit 2025 wieder vorbeiziehen lassen. Die Psychologie ist kein Nebenschauplatz: Stuttgart siegte in den letzten drei Direktduellen, doch die körperliche Schieflage ist neu.

Hoeneß' pokal-paradoxon
Während Leipzig seit dem Pokal-Aus in der zweiten Runde Urlaubsreisen absagen musste, plant Stuttgart bereits das Halbfinale am 23. April gegen Freiburg. Dazu kommt das Europa-League-Achtelfinale gegen Porto, Hin- und Rückspiel binnen sieben Tagen. Hoeneß rotiert, aber er kann nicht zaubern. Die Frage ist nicht, ob seine Startelf müde ist, sondern wie lange sie durchhält. Die Antwort könnte die Saison entscheiden.
Die Leipziger haben sich in der Länderspielpause ein individuelles Trainingslager in Kitzbühel gegönnt. Sportschef Rouven Schröder spricht von „Kraft tanken“, Trainer Marco Rose von „Mental-Reset“. Das klingt nach Marketing, ist aber Physiologie: Wer in der Rückrunde nicht dreimal pro Woche reist, tankt Millisekunden in den Zweikämpfen. Millisekunden, die in der 87. Minute zum 2:1 führen können.

Die königsklasse als kasse
Der Gewinner am Sonntag zieht nicht nur an der Tabellenspitze vorbei, er schaltet auch die Geldschleusen frei: Die UEFA verteilt für die Gruppenphase der Champions League mindestens 60 Millionen Euro. Für Stuttgart wäre das ein Rekord, für Leipzig eine Rückkehr in die erste Garnitur. Der Verlierer muss bangen, denn Dortmund und Frankfurt lauern nur zwei Punkte dahinter.
Beim VfB laufen die Sicherheitsprotokolle bereits auf Hochtouren: Erste Trainingseinheit nach Porto nur 45 Minuten, Regeneration mit Eisbädern, Schlaftracker, Mikronährstoffe. Leipzig dagegen trainierte dreimal Vollgas. Rose testete eine Dreier- Kette, um Stuttgarts Flügelsturm zu neutralisieren. Die Taktik ist kein Geheimnis: Früh stören, dann umschalten, bevor die Beine der Schwaben schwer werden.
Am Ende könnte eine einzige Szene reichen: ein Konter, ein Standard, ein Muskelkrampf. Die Saison 2025/26 ist keine Metapher mehr, sie ist ein Marathon, der am Sonntag auf den letzten Kilometern entschieden wird. Leipzig will Revanche, Stuttgart will Bestätigung. Die Frage ist nicht, wer besser ist, sondern wer noch Luft hat. Die Antwort fällt um 21.15 Uhr – und sie dürfte bis Mai nachhallen.
