Leipzig: werner vor endentscheidung – droht ihm das aus?
Rasantes Auf und Abs, ein holpriger Start und eine wackelige Winterpause – die Zukunft von RB Leipzigs Trainer Ole Werner hängt am seidenen Faden. Während die Sachsen weiterhin ambitioniert die Champions-League-Qualifikation anstreben und zuletzt in Frankfurt einen wichtigen Sieg einfuhren, steht fest: Nach der Saison wird entschieden, ob Werner weiterhin das Ruder an der Leipziger Bank übernimmt. Die Gerüchteküche brodelt bereits, und die Frage ist, ob die Leistungen des Teams und die Entwicklung der Mannschaft Werner die notwendige Überzeugung verschaffen werden.

Die champions-league-zielsetzung: mehr als nur lippenbekenntnis
Obwohl RB Leipzig offiziell von internationalen Ambitionen sprach, war intern frühzeitig die Champions League das primäre Ziel. Angesichts eines umfassenden Umbruchs im Kader und im Team um die erste Mannschaft sind die bisherigen Ergebnisse beachtlich. Doch die Leistungskurve zeigt eine Achterbahnfahrt. Nach einem furiosen Start, der von 29 Punkten aus 13 Spielen zeugte, folgte eine Phase der Schwäche um die Winterpause, in der lediglich drei Siege aus zehn Pflichtspielen erzielt wurden.
Die knifflige Frage der Entwicklung: Die Mannschaft fand sich zwar überraschend schnell zusammen, doch die Fortschritte sind aktuell umstritten. Die spektakulären Fußballspiele, wie das 5:0 gegen Hoffenheim Mitte März, sind die Ausnahme. Gegen die direkten Konkurrenten aus den Top 6 gab es lediglich zwei Siege und zwei Unentschieden bei fünf Niederlagen – oftmals begleitet von nervenaufreibenden Endphasen.
Werner selbst versucht, die Situation positiv zu deuten: „Wir schaffen es immer mehr, auch bei engen Spielständen unseren Fußball weiterzuspielen und keine wilden Dinge zu machen. Wir sind geduldig und verlieren die Ordnung nicht.“ Er betont die Entwicklung der Mannschaft und verweist auf die Fortschritte im Spielablauf. Allerdings bestätigen die Daten diese Einschätzung nicht uneingeschränkt. Die Werte in Bezug auf Treffer und Torschüsse sind über die gesamte Saison hinweg relativ konstant geblieben. Defensiv ließ RB zwar etwas weniger zu, doch die Zweikampfquote hat sich kaum verändert. Ein leicht intensiverer Spielstil durch mehr Laufkilometer und Sprints ist erkennbar.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Nutzung der Kadertiefe. Werner rotiert selten in der Startelf, was von den strategischen Köpfen bei Red Bull kritisch gesehen wird. „Bei uns sitzen oft Jungs draußen, die dort nicht hingehören“, räumt Werner ein, wobei er auf den verpassten Europapokal in der vergangenen Saison verweist. Die bevorstehende Dreifachbelastung stellt für Werner eine neue Herausforderung dar, da er in seiner Karriere bisher noch keine internationale Erfahrung sammeln konnte.
Die Entscheidung liegt bei Red Bull: RB Leipzig und die sportliche Führung um Jürgen Klopp müssen nun entscheiden, ob sie Werner zutrauen, diese Herausforderung zu meistern. Eine absolute Überzeugung, basierend auf Ergebnissen, spielerischer Entwicklung und zukünftigen Aufgaben, ist entscheidend. In der Vergangenheit scheiterten bereits Domenico Tedesco und Marco Rose an internen Zweifeln und mussten ihren Posten räumen. Auch bei Werner steht nun die Frage nach einem neuen Vertrag an – seine aktuelle Vereinbarung läuft nur bis 2027. RB möchte ungern mit einem Trainer in das letzte Vertragsjahr gehen und muss daher eine Entscheidung treffen: Verlängern oder trennen.
Die kommenden Spiele gegen Union Berlin, St. Pauli, Leverkusen und Freiburg bieten Werner die Möglichkeit, seine Argumente zu untermauern und die Entscheidungsträger von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Ob er dies gelingt, wird zeigen, ob er weiterhin Teil der RB-Familie bleibt – oder ob Leipzig bereits die Fühler nach einem erfahrenen internationalen Trainer ausstreckt.
