Leipzig schlägt doppelt zu: nach waldbillig kommt tuin – bundesliga-trauma soll 2029 vorbei sein
RB Leipzig lässt nicht locker. Kaum hat Aude Waldbillig ihre Handschuhe für die Frauenmannschaft gepackt, stößt Alieke Tuin aus Enschede dazu – und verlängert den Aktionsradius der Sachseninnen sofort um eine ganze Spielfeldhälfte.
Ein niederländerinnen-doppelpack mit datum
Der Transfer ist längst kein Schnellschuss. Leipzig hatte Tuin seit Jahren auf dem Zettel, verfolgte ihre Entwicklung vom Eredivisie-Meister 2025 bis zur Champions-League-Runde der letzten 16. Jetzt, wo der Tabellenzähnte der Bundesliga die Punkte der Hinrunde aufaddiert, schlägt der Klub zu. „Wir wollten keine Lücke mehr riskieren“, sagt Sportdirektorin Viola Odebrecht – und meint damit sowohl die Tabelle als auch die personelle Lücke auf links.
Tuin unterschreibt bis 2029, genau wie zuvor schon Waldbillig. Ein Zeichen: Leipzig baut nicht für das nächste Spiel, sondern für die nächsten fünf Jahre. Die Ablösesumme hält sich im niederländischen Rahmen, dafür stockt das Gehalt deutlich. Wer bei Twente 180 000 Euro Jahresgehalt kassierte, darf in Sachsen laut Insidern auf mehr als das Doppelte hoffen. Die Summe spricht eine deutliche Sprache: RB will den Europapokal, nicht nur die Mittelfeld-Ränge.

Zwölf champions-league-einsätze, eine position unklar – genau das ist der plan
Die Statistik verrät Tuins größte Stärke: Sie spielte in der Königsklasse als Linksverteidigerin, defensive Mittelfeldspielerin und sogar einmal als hängende Spitze. Für Leipzig ist diese Variabilität kein Nebenprodukt, sondern Kernidee. Trainerin Katja Greulich kann damit ihre 4-3-3-Formation umbauen, ohne Wechsel zu ziehen – ein Luxus, den die Bundesliga außer Bayern nur selten bietet.
Die Zahlen passen: 76 % gewonnene Zweikämpfe in der letzten Saison, 11,3 km Schnittlaufleistung pro 90 Minuten, ein linkes Bein, das Flanken mit 92 km/h abschießt. „Wir haben keine klassische Außenbahnspielerin verpflichtet, sondern eine Datenbank mit Beinen“, schmunzelt Analyst Maximilian Krauß im Trainingszentrum Cottaweg. Gemeint ist das automatische Scouting, das Tuin vor zwei Jahren auf Platz 3 der linksfüßigen Defensivkräfte setzte – direkt hinter einer gewissen Giulia Gwinn.

Twente verliert die geduld, leipzig gewinnt den zeitplan
Der Weggang tut Twente weh. Der Klub hatte Tuin nach dem Triple 2025 einen neuen Vertrag bis 2027 angeboten, doch die Niederländerin lehnte ab. Grund: Leipzig garantiert Einsatzzeiten in der Frauen-Bundesliga und der Gruppenphase der Champions League – Twente muss erst die Qualifikation überstehen. „Ich will nicht mehr warten, bis der nächste Pokal herumflattert“, sagte Tuin laut Vereinsmitarbeiter beim Abschied. Das klingt abgebrüht, ist aber logisch: Mit 25 Jahren tickt die Uhr, und Leipzig bietet das größere Fenster.
Ein Detail verrät zusätzlich Rasenschärfe: In Leipzig trainiert die Frauenmannschaft seit diesem Winter auf dem gleichen Hybridrasen wie die Profis der Männer. Die Belastungsdaten fließen direkt ins System, jede Sprinteinheit wird mit GPS und Herzfrequenz erfasst. Für Tuin bedeutet das: kein Vergleichs-Handy-Video mehr, sondern Echtzeit-Analyse auf dem Tablet. „Das habe ich mir erhofft – Fußball auf Knopfdruck“, sagt sie beim ersten Medientermin und tippt dabei auf das rote Leipzier Logo auf ihrer Brust.

Die kosten stehen, die erträge müssen folgen
Rechnet man die Ablöse, das Gehalt und die Nebenkosten zusammen, investiert RB Leipzig rund 1,3 Millionen Euro in die beiden Neuzugänge – eine Hausnummer, die sich in der Frauen-Bundesliga bisher nur Bayern und Wolfsburg leisten. Die Rückzahlung soll über Sponsoren kommen: Red Bull erweitert das Sponsoring um 15 %, dazu gesellen sich neue Partner aus den USA. Die Message ist klar: Wer bei den Männern um jeden Millionen-Deal feilscht, zahlt bei den Frauen ohne Murren – weil die Inhalte auf TikTok und Instagram mittlerweile besser konvertieren als manches Herren-Spiel.
Am Sonntag trifft Leipzig auf Hoffenheim – und genau dort will Tuin ihr Debüt geben. Die linke Seite, bisher ein Sorgenkind mit nur 41 % gewonnenen Dribblings, bekommt eine frische Schicht Niederländische Puste. Wenn es klappt, rückt der Klub auf Platz acht vor – und die Planstelle für 2029 sieht ein Stück weniger utopisch aus.
Leipzig hat nicht einfach zwei Spielerinnen verpflichtet. Der Klub hat sich eine Frist gesetzt: fünf Jahre, um aus dem Mittelmaß herauszulaufen. Die Uhr läuft – und sie tickt laut.
