Leclerc zieht vor suzuka die notbremse: «mercedes ist eine klasse für sich»

Charles Leclerc sprach, bevor er über die Suzuka-Straßen jagt, Klartext. Der Monegasse sieht Mercedes vier bis fünf Zehntel vorne, die Power-Unit als größten Brocken. Die SF-26 habe zwar ein gutes Chassis, doch reicht das hinten und vorne nicht. «Wir sind nicht nach Japan gereist, um bloß Podeste zu sammeln», sagte er in der FIA-Pressekonferenz und ließ damit alle Manager in Maranello erzittern.

Die nüchterne bilanz nach zwei rennen

Leclerc rangiert als Dritter der WM, doch die Punkte täuschen. In Bahrain und Jeddah fuhr er hinterher wie ein Schuljunge, der den Bus verpasst hat. Die Mercedes-Power bleibt die Referenz, und die Ferrari-Motorenabteilung liefert nur Nachschlag von gestern. «Wir wissen, dass wir bei der Batterie und beim MGU-H noch Luft nach oben haben», so der 28-Jährige. Er spricht von «großer Herausforderung», meint aber: Wir stehen mit leeren Händen da.

Die Ingenieure haben Upgrades versprochen, doch Leclerc glaubt nicht an Wunder. «Die Konkurrenz schläft auch nicht», sagt er und schaut dabei direkt in die Kameras. Der Druck wächst, seitdem er 2019 das letzte Mal gewann. Seitdem redet Ferrari jedes Jahr von der Wende – und dreht sich im Kreis.

Qualifying-frust statt q3-rausch

Qualifying-frust statt q3-rausch

Die neuen Regeln mit nur noch acht statt neun erlaubten Megajoule laden das Spiel nicht auf, sondern entladen es. Leclerc muss in der entscheidenden Phase sparen, statt zu attackieren. «Früher bretterte man in Q3 drei Runden, bis die Reifen qualmten. Heute rechnet das System alles herunter, sobald ich das Gaspedal durchtrete», sagt er. In China verlor er allein auf der Start-Ziel-Geraden nach Kurve neun fünf Zehntel, weil das Energy-Management verrücktspielte.

Die Konsequenz: Er kann keine neuen Linien testen, kein Risiko eingehen. «Das Auto bestraft jede Kreativität sofort», klagt er. Die FIA will mit der Reduzierung der Batterieenergie für mehr Angriff sorgen – doch die Piloten spüren vor allem die Bremse.

Renn-duelle als einzige rettung

Renn-duelle als einzige rettung

Wenn das Licht auf Grün springt, hellt sich Leclercs Miene auf. Die neuen Autos erlauben dank geringeren Abtriebs harte Wheel-to-Wheel-Kämpfe. «Ich war nach den Tests pessimistisch», gibt er zu. Doch die Saisonstart-Duelle mit Hamilton und Russell haben ihn korrigiert. «Manchmal stehen wir in Kurve eins nebeneinander mit identischem Batterie-Stand – das ist reines Glücksspiel und macht Spaß.»

Allerdings: Sobald die Silberpfeile freie Bahn haben, ziehen sie davon. «Die vier, fünf Zehntel bleiben real», sagt Leclerc. Suzuka mit seinen 130R-Sweepern und der Stop-and-Go-Sektion wird die Lücke nicht schließen, sondern bloß sichtbar machen.

Sein Fazit wirkt wie ein Seufzer. «Ich gebe Vollgas, aber das reicht nicht, wenn das Material nicht mitkommt.» Die Stoppuhr kennt kein Mitleid – und die Zeit läuft auch für ihn. Wenn Ferrari nicht binnen weniger Rennen nachlegt, wird aus der Titelhoffnung ein weiteres Jahr des Wartens. Für Maranello tickt die Uhr lauter als je zuvor.