Leao baut sich zum 9er um – mit ex-knipser corradi als geheimwaffe

Rafael Leao trainiert, bis die Kniesehnen brennen. Dann trainiert er noch einmal. Der Portugiese will keine Flügelflitzer-Show mehr, sondern das Spiel mit dem Rücken zum Tor beherrschen – wie ein echter 9er.

Die zahlen sind ein protest gegen sein altes image

Nur neun Liga-Tore stehen nach 28 Spielen zu Buche. Für einen Außenstürmer okay. Für einen Mittelstürmer, der Scudetto und Champions-League-Platz sichern soll, ist das ein Protestschreiben an sich selbst. Deshalb steht Leao mittlerweile zweimal pro Woche mit Bernardo Corradi auf dem Trainingsplatz, 38 Jahre, einst 59 Serie-A-Tore, heute Allegris persönlicher Sturmlehrer.

Corradi stellt Leao vor leeren Toren auf, stellt ihm Keeper entgegen, stellt ihm Fragen: „Was siehst du, bevor du den Ball berührst?“ Antwort muss der Körper geben, nicht der Mund. 200 Wiederholungen, dann 300. Zwischen den Serien: Joggingrunde mit Gummiband, um die Adduktoren zu quälen, die ihn nach der langen Pubalgie-Pause noch ausbremsen.

San siro wird zum schlafzimmer

San siro wird zum schlafzimmer

Um Milanello keine Minute zu verschenken, hat Leao seine Wohnung an der Porta Nuova gekündigt. Jetzt lebt er fünf Minuten vom Stadion entfernt. Kinder kommen am Wochenende, sie schlafen im Gästezimmer, er im Wohnzimmer, weil dort Platz für die Matte ist, auf der er nachts Rumpf und Sprunggelenke stabilisiert.

Das neue Umfeld schreibt sich auf die Haut. Gegen Empoli presste er bis zur eigenen Eckfahne, 92. Minute, 3:1-Führung. Noch vor einem Monat wäre das eine Nebensache gewesen. Jetzt ist es die Hauptsache, weil Allegri danebenstand und nickte.

Der vertrag wartet, aber nur gegen barzahlung in toren

Der vertrag wartet, aber nur gegen barzahlung in toren

Der aktuelle Deal läuft 2028 aus, die Verlängerung liegt auf dem Tisch. Doch bevor Leao unterschreibt, verlangt die Geschäftsführung eine Gegenleistung: 15-Tore-Saison 2025/26, sonst gibt es keine Option. Kein Spieler hat diese Klausel jemals freiwillig unterschrieben. Leao lächelte und sagte: „Ich unterschreibe, wenn ich sie erfülle, nicht vorher.“

Der Rest der Saison ist sein Bewerbungsgespräch. Zehn Spiele, vielleicht zwölf, wenn das Pokalfinale klappt. In diesen Minuten wird sich zeigen, ob der Flügelflitzer wirklich gestorben ist – oder doch nur auf Sturm umgeschult wurde.