Lawine in südtirol reißt zehn tourengeher mit: zwei tote, ein vermisster
Um 11.40 Uhr krachte es auf 2.445 Metern. Die Hohe Ferse, beliebtes Ziel für Frühjahrstouren, brach sich das Bein – und mit ihr ein Hang, der bislang als „sicher“ galt. Zehn Skitourengeher wurden in die Tiefe gerissen, zwei konnten nur noch tot geborgen werden, drei schweben in Lebensgefahr, ein Skifahrer wird noch vermisst. Die Zahlen stehen, doch hinter jeder Zahl steht ein Name, den die Bergwacht nicht nennen darf.
Die spur endet unter zwei metern schnee
Die Lawine war 300 Meter breit, startete knapp unter dem Gipfel und legte 700 Höhenmeter zurück. Sie riss Bäume mit, versiegelte Felsspalten und begrub die Gruppe, die sich gerade im Flankenanstieg befand. ARVA-Geräche schlugen an, doch die Signale verrieten nur, dass die Verschütteten sehr tief liegen. Ein Hubschrauber der Finanza landete trotz Windböen auf 2.000 Metern, Seilschaften stiegen ab, suchten mit Stahlstangen nach Hohlräumen. Gefunden wurde zuerst ein 27-jähriger Mann aus Bozen, dann eine 43-jährige Frau aus München. Beide erlitten massives Trauma, keine Chance.
Die Retter arbeiten im Takt der Uhr: nach 15 Minuten sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit auf unter 50 Prozent, nach zwei Stunden auf unter zehn. Um 16.53 Uhr – genau jene Minute, in der die Nachricht redaktionell aktualisiert wurde – war der vierte Hubschrauber aus Innsbruck eingetroffen, brachte Spürhunde und Wärmebildkameras mit. Die Hunde markierten eine Stelle, doch der Verdacht blieb vage. Der Vermisste ist ein 38-jähriger Bergsteiger aus dem Rheinland, er war als Letzter in der Spur, vielleicht abgedriftet, vielleicht in eine Grube geschleudert.

Frühlingstreffen mit tödlichem timing
Die Hohe Ferse gilt als einfache, aber einsame Skitour. Wer dort am 21. März geht, sucht noch Winter, ahnt aber bereits Frühling. Die Sonne warnte seit Tagen, die Nacht brachte Minusgrade – klassische Wechselspiel: Tauwasser spaltet die Schicht, Kälte verankert sie wieder. Nur wenige Stunden später löst sich ein Brett, groß wie ein Tennisplatz. Die Gruppe hatte sich korrekt gesichert, Abstände gehalten, Pieps dabei. Trotzdem half nichts. „Das ist die neue Norm“, sagt ein Bergretter, „sicher ist nur, dass wir wieder kommen.“
Bis 18 Uhr wird weiter gesucht, dann setzt die Nacht dem Einsatz ein vorläufiges Ende. Die Statistik zählt diesen Samstag als den dritten tödlichen Lawinenunfall in Südtirol innerhalb von vier Wochen. Die Saison ist noch nicht vorbei, die Schneefläche aber schon dünn – und darunter wartet schon Gras, das diesmal Blut geleckt hat.
