Lausanne schlägt servette dank umstrittenem tor und keeper-poker
Genf – Ein Schlenzer unter die Achsel, ein vermeintliches Slew-Foot und ein Youngster, der sich mit einem Skandal-Tor zum Helden stempelt: Das 3:2 von Lausanne HC in der Vernets-Arena war so schmutzig wie spannend, und Servette dreht nach 44 Minuten die Pokale leer aus. Der Waadtländer Break liegt damit wieder bei 2:1 – mit einem Tor, das die sozialen Netzwerke zum Brodeln bringt.
Ignatavicius trifft – und tritt
23:47 Minuten Spielzeit. Simonas Ignatavicius wirbelt vor dem Slot, zieht mit dem Rückhand-Drag und versenkt die Scheibe zum 2:1. Die Halle tobt, doch im Slow-Mo ist ein anderes Bild zu sehen: Der 21-Jährige streckt Gegenspieler Jonathan Ang aus, zieht dessen rechtes Bein weg – textbook-Slew-Foot. Die Schiedsrichter lassen laufen, das Tor zählt. „Wir haben sofort protestiert, das Video war eindeutig“, sagt Servette-Coach Craig Woodcroft, „aber die Jungs in der Küche haben entschieden – für uns nicht nachvollziehbar.“
Die Zahlen liefern dem Genfer Frust Nahrung: Vor dem umstrittenen Führungstreffer hatten die Grenats 72 % Puckbesitz, 14-6 Schüsse und eine Powerplay-Chance nach der anderen. Danach bröckelt die Ordnung. Ein Bock von Ignatavicius im eigenen Drittel ebnet Ken Jäger den Weg zum 2:2-Breakaway, und die Stimmung kippt.

Pasche brennt, charlin brennt durch
Lausannes Torhüter Kevin Pasche war der eigentliche Matchwinner. 38 Schüsse, 36 Paraden, ein Save-Percentage von 94,7 % – und eine Parade-Serie in der 52. Minute, als Servette in 78 Sekunden drei Mal von der Blauen drückt. „Er hat uns ein Brett vor dem Kopf gebaut“, sagt Genfs Topscorer Czarnik, „wir haben alles reingeworfen, nur nicht den Puck.“
Auf der Gegenseite schlüpft Genf-Keeper Robin Charlin die entscheidende Scheibe in der 44. Minute durch die Armbeuge. Jason Fuchs nahm den Abpraller direkt, Charlin reagiert einen Tick zu spät – 3:2. „Manchmal rutscht er eben durch“, so Charlin sichtlich mitgenommen, „aber ich nehme die Schuld auf mich.“

Die serie ist offen – das geschrei bleibt
Mit dem Sieg sichert sich Lausanne erstmals seit 2021 wieder ein Play-off-Lead in einer Best-of-Seven-Serie. Doch die Debatte um Ignatavicius’ Tor wird die Liga beschäftigen. Die Disziplinarbehörde prüft laut Insidern ein Nachtrags-Video, eine Sperre für Spiel 4 ist nicht ausgeschlossen. Servette droht nun ohne Heimvorteil in die Pause zu gehen – und mit dem Gefühl, nicht nur vom Gegner, sondern auch vom Schiedsrichter-Gremium geschlagen worden zu sein.
Spiel 4 steigt am Freitag erneut in der Vernets-Arena. Für die Genfer wird es zur Schicksals-Partie. Denn wer in der NL 0:2 in Serie zurückliegt, dreht statistisch nur in 17 % der Fälle noch auf. Die Wende muss also jetzt kommen – sonst ist das Traum-Endspiel schon vor dem Halbfinale geplatzt.
